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Menschen und Selbstversorgung

(Text von 2012)

Wir leben in Zeiten des Umbruches, und es wird uns eines nahen Tages keine andere Wahl mehr bleiben als uns bei unserer Suche nach Hilfe auf uns selbst zu besinnen. Doch die Menschen haben das Gefühl für Selbstversorgung verloren. Sie geben maßgebliche Teile ihrer Eigenverantwortung an die verschiedensten Instanzen ab, die jedoch ihren Dienst meist früher oder später nach ihren eigenen Interessen ausrichten. Diese Instanzen sind in sämtlichen Lebensbereichen zu finden. Es sind der Staat, die Unternehmer, die Kirche, die Ärzte, die Lehrer, die Vorgesetzten, die Eltern, die Familie, der Partner, die Finanzen, Regeln in jeder Form und vieles mehr. All das sind unsere Prothesen. Und dann sind da noch die Prothesen im herkömmlichen Sinn wie Brillen, Stöcke, Herzschrittmacher, künstliche Gelenke. Identitätsprothesen wie Kleidung, Markenartikel, Geld, Coolness, Autos, Karriere, Weltanschauung und Intellekt sind eine Selbstverständlichkeit geworden …

Das Dilemma der Menschheit wurzelt in genau diesem Verhalten, es endet dann, wenn eine Selbstversorgung in allen Lebensbereichen erreicht ist. Solange die Menschen außerhalb ihrer selbst nach Lösungen suchen, treiben sie immer weiter von sich selbst fort.


Menschliche Ansichten

Die Eltern haben uns gemacht. Ich bin das Resultat meiner Gene und meiner Kindheit.
  Alternative:   Ich übernehme die volle Verantwortung dafür wer ich bin. Ich bin ich.
Die Familie formt unser Nest. Wenn ich nicht mache, was sie sagen, falle ich aus dem Nest.
  Alternative:   Ich baue mir mein Nest. Ich ruhe in mir.
Die Lehrer sagen uns, was wir am Ende gelernt haben müssen. Mehr weiß ich nicht.
  Alternative:   Ich eigne mir das Wissen an, das ich für wichtig halte. Ich stehe in der Welt.
Der Partner trägt die Verantwortung dafür, dass wir geliebt werden. Ohne ihn hab ich keine Liebe.
  Alternative:   Ich lerne mich selbst lieben. Ich werde mein wichtigster Partner.
Der Arzt hat dafür zu sorgen, dass unser Körper reibungslos arbeitet. Er macht mich gesund.
  Alternative:   Ich bemerke die Zeichen meines Körpers. Ich heile mich in der Tiefe.
Die Kirche sagt uns, was wir glauben dürfen. Die kennen Gott. Ich glaube alles was sie mir sagen.
  Alternative:   Ich spüre mein inneres Wissen auf. Ich lerne fühlen, was wahr ist.
Die Unternehmer stellen her, was wir kaufen. Etwas anderes gibt es ja nicht.
  Alternative:   Ich lerne viele Dinge selbst herstellen. Ich versorge mich.
Der Staat macht die Gesetze, vertritt uns im Ausland. Ich brauche jemanden, der das alles regelt.
  Alternative:   Ich weiß was Recht ist und was ich will und mache Pläne.
Das Geldsystem steuert, was ich mir leisten kann. Man kann nicht alles haben.
  Alternative:   Ich mache mir meinen Wohlstand selbst. Es gibt eine Menschheit ohne Geld.


Ansichten einer Gesellschaft

„Erziehung an Körper und Geist“
Es liegt in der Natur der Kinder, geistig intakt zu sein. Bald jedoch erscheint es Eltern meist unumgänglich, sie dahingehend zu beeinflussen, dass sie werden wie jeweils die Sorte Erwachsener, in deren Händen ihre Erziehung liegt. Ihre Intuition, Freiheit, Würde, Ehre, innere Weisheit, Kindlichkeit, Neugier, Lebendigkeit und Lebhaftigkeit werden in jahrelanger Arbeit ersetzt durch Benehmen, Glauben und Schulwissen. Das dabei abhanden kommende Gefühl eines Selbst-Bewusstseins hinterlässt eine Leere, die nun von außen durch Anerkennung, Ablenkung und künstliche Lebensinhalte gefüllt werden kann.
Die Bestrafung von Fehltritten ist weitgehend geregelt. Es steht uns jedoch im Rahmen der staatlichen Gesetze frei, Menschen psychisch fertig zu machen und Tiere zu peinigen.

„Erziehungsziel erreicht“
Es geht um das Erlangen von Können, Haben, Wissen, Scheinen und Gewinnen. Jedes Mal wenn das Kind an einer dieser Aufgaben scheitert, bekommt es dies zu spüren. Die Kinder lernen von Geburt an, sich an der Skala der zu beherrschenden Attribute zu messen und kommen im Laufe der Jahre immer seltener auf die Idee, sich nach ihrem eigenen Gefühl zu orientieren und beherrschen dies immer weniger. Der Glaube daran lässt zwangsläufig nach. Am Ende der Kindheit sind bei den Meisten vom tieferen Selbst-Bewusstsein nur noch verborgene Reste vorhanden. Sie streben fortan ausschließlich nach äußeren Werten. Sie haben nun zwar oft das Gefühl, die meisten Dinge nicht besonders gut zu können, bekommen aber jederzeit Hilfe angeboten.
Als Halbwüchsige wollen sie alle Belange noch einmal auf ihre eigene Weise regeln. Sie merken jedoch bald, dass sie von der Gesellschaft dafür angesehen werden wie Außerirdische, lassen irgendwann von ihren Ideen ab und das Umfeld atmet auf. Nun sind sie „aus dem Schlimmsten raus“. Irgendwann geben die meisten Jugendlichen ihre Belange endgültig an die Strömung der Gesellschaft ab, ihre Ideen versanden. Ruhe kehrt ein, die Gesellschaft hat einen guten Job gemacht, es konnte verhindert werden, dass die alten Strukturen durch aufstörende Lebendigkeit Schaden nehmen.


Bilanz

Zwar hatten die Jugendlichen ursprünglich Autonomie und Individualität im Sinn, doch kaum verlassen sie die Schule und ihren alltäglichen Freundeskreis, finden sie sich allein in der Fremde wieder und schauen sich in ihrer Verwirrung schon bald nach jemandem um, der für sie einsteht, sie beschützt, für sie sorgt, ihnen sagt, wie die Welt tickt und was falsch und was richtig ist - nach Instanzen, die ihr Leben regeln und ihnen die bleischwere Verantwortung für ihr Tun wieder abnehmen. Es ist anfangs zwar noch erniedrigend, nicht mehr für sich allein entscheiden zu können, doch nach einer Weile auch ausgesprochen angenehm, es nicht mehr zu müssen. Diese Delegierung wird sukzessive auf immer mehr Lebensbereiche ausgeweitet (Arbeitgeber, Eltern, Familie, Partner, Kirche, Gesellschaft, Politik, Fiskus und Wirtschaft). Im Gegenzug sinkt unmerklich und unaufhaltsam die Selbstachtung, das Selbstvertrauen nimmt in dem Maße ab, in dem man Hilfe und Fremdbestimmung in Anspruch nimmt, Trägheit und Lähmung machen sich breit, von Selbst-Bewusstsein kann nicht mehr gesprochen werden. Man kommt aus der Übung, die Dinge für sich selbst zu regeln. Die daraus folgende Abhängigkeit wird allmählich spürbar, mit der Zeit stellt sich Unzufriedenheit ein.


... und der Fortgang

betrachtungen/menschen-und-selbstversorgung/TN_zaun2.jpg (25.05.2013)

Unterdessen gerät in Vergessenheit, wie alles anfing. Bald kann und will sich keiner von diesen einst so herrlichen Persönlichkeiten mehr eingestehen, dass er einmal ein Mensch mit der Gabe für eine aufrechte Haltung und der Fähigkeit zur Selbstversorgung war und hätte bleiben können. Eine ganze Weile fällt das nicht weiter auf. Was jedoch allmählich auffällt, ist dass die einst mit der Übernahme der Verantwortung beauftragten Instanzen längst nicht mehr im Sinne der ihnen Anvertrauten handeln. Sie agieren eigenmächtig, verfolgen mehr und mehr eigene Interessen - ob sie nun einfach ermüdet sind in der jahrelangen, jahrzentelangen Auflage, unseren Wünschen, Emotionen und Vorstellungen gerecht zu werden oder ob es Einrichtungen waren, die von Anfang an darauf ausgelegt waren, Profit oder andere Vorteile zu erzielen, ohne dass wir es merkten oder merken wollten.

Wir haben diese Institutionen zwar erschaffen, damit sie uns das Leben erleichtern und unsere Interessen vertreten. Jetzt jedoch sind es die Institutionen, die das Maß der Dinge festlegen. Dies konnte geschehen, weil wir uns nicht mehr darum gekümmert haben, wie sie ihre Aufgaben erledigen, sondern nur noch, dass am Ende die erwartete Annehmlichkeit herauskommt - ob sie uns nun vorgegaukelt wurde oder tatsächlich erfolgt ist.

Fatalerweise wird, wann immer wir eine Verantwortung nach außen delegieren, immer und ohne Ausnahme unser Anliegen verfälscht werden. Ob wir unsere Interessen nun einem Konzern, einer Person oder einer Einstellung übereignet haben, nicht eine dieser Instanzen ist in der Lage, sie wirklich so auszurichten, wie es uns wirklich entspricht. Und wir selbst dürfen uns obendrein umso weniger weiterentwickeln, je mehr Instanzen wir in unser Leben eingebaut haben, denn sonst hört das Spiel abrupt auf und wir fallen ins Bodenlose. Und aus diesem Stress heraus trifft es uns ausgesprochen schmerzhaft, wenn die Instanz sich verselbständigt, sind wir doch längst nicht mehr in der Lage, uns von ihr loszusagen.

Je weiter wir die Institution über uns stellen, desto schneller erfolgt ihre Verselbständigung. Je komplizierter das Hilfs-Gefüge ist, desto schwieriger wird es, aus dem Prozess auszusteigen, denn inzwischen verwenden wir eine ungeheure Kraft darauf, unser Verhältnis zu ihr aufrecht zu erhalten, ohne dass es uns selbst überhaupt noch wirklich gibt. Wenn also wir selbst nicht mehr da raus kommen, dann muss, bitte schön, die Instanz sich ändern.


Los geht's

Nun kommen sie an den Pranger - die Partner, die Eltern, die Lehrer, der Hausarzt, die Kirche, die Politiker, die Konzerne. „Die sollen ihren Job vernünftig machen, das muss ich schließlich auch“. Das tun sie aber nicht, und wir selbst schon gar nicht. Wir haben sie jahrhundertelang mit ihrer (unserer) Arbeit allein gelassen, und nun schlagen sie Kapital und Macht daraus.

 Die schärfste Kritik trifft die Politiker, die Unternehmer, die Ärzte, die Kirche. Unseren Partnern und Eltern und der Familie vergeben wir schon bereitwilliger, unser Verhältnis zu ihnen und die damit verbundenen Probleme liegen in einem empfindlich emotionalen Bereich. Vertreter der ersteren Fraktion jedoch werden von uns gnadenlos angegriffen, verteufelt und oft sogar gehasst.

Dabei sind sie einst einfach nur ähnlich konditioniert worden wie wir. Meist waren sie Kinder, die zwar für äußere Werte ein Lob bekommen haben, jedoch für ihre inneren Werte nicht weiter beachtet, geschweige denn anerkannt wurden. Ihnen wurde beigebracht, für Anerkennung zu kämpfen, ihre Eltern zeigten ihnen deutlich, wie sie zu sein hatten und was sie tun, wissen und leisten müssen, um, wenn schon keine Liebe, dann doch wenigstens die Anerkennung aus ihrer Umwelt zu bekommen. Und wenn dort keine Anerkennung war, dann haben sie umso härter dafür gekämpft, welche zu bekommen. Und wenn sie noch immer keine bekommen haben, haben sie irgendwann aufgegeben, auf sie zu hoffen und haben sich materiellen Werten zugewandt - so wie ihre Eltern und Großeltern vor ihnen es einst tun mussten.
So bekommen viele dieser Kinder für Nettigkeiten fast nichts, aber für ein gutes Zeugnis fünf Euro, für gute Noten ein Kopfnicken oder sogar ein Lob. Sie werden wohlwollend angesehen, wenn sie sich nicht haben unterkriegen lassen, sonder austeilen konnten. Wenn sie keine Weicheier waren, sondern sich nahmen, was sie wollten. Sie haben das Gefühl erworben, etwas leisten oder haben zu müssen, um Wer zu sein. Und wenn schon nicht das, so sollten sie doch wenigstens cool genug auftreten, dass man in die Knie ging vor so viel scheinbarem Selbstbewusstsein. Ihr Wert wird seit ihrer frühesten Kindheit daran gemessen, was sie an Fakten vorweisen können, nicht an dem was sie sind. Gefühle gelten als lächerlich, sie zu zeigen erst recht - ihre eigenen Eltern ertragen Gefühle schon lang nicht mehr. Und so rümpfen sie früher oder später ebenfalls die Nase über Menschen, die zwar ihr dämliches Herz am rechten Fleck haben, aber leider keinerlei Prestige vorzuweisen haben. Dass ihnen nichts so sehr fehlt wie ihr Herz, dass sie sich längst ihrer Jagd nach Attraktivität und Prestige gefügt haben und von ihnen selbst kaum mehr etwas übrig ist, wird von diesen Menschen selten eingestanden. Und doch brodelt unter der erfolgreichen Schicht nichts als Unglück und Leere.
Andere wiederum wurden als Kinder gelobt, wenn sie brav waren. Sie konnten jemanden unbemerkt und hintenrum pieksen, und wenn der sich wehrte, dachte jeder der benehme sich daneben. Sie konnten sich vielleicht den Anschein von Selbstlosigkeit geben und wurden prompt dafür gelobt. Scheinheiligkeit wurde sehr vielen Kindern anerzogen, und sie wurden dafür in den Himmel gehoben. So kam man am schnellsten an Anerkennung heran, verlor den Anschluss an das Rudel nicht.
Oder sie haben gebüffelt, bis nur noch Einsen im Zeugnis standen, die Kindheit blieb restlos auf der Strecke, und irgendwann ließ sie sich nicht mehr nachholen. Dem Abitur folgte ein Studium, dem Studium eine angesehene Arbeit. Wie viele Ärzte, Wissenschaftler, Juristen und viele andere Studierte haben studiert, weil sie Wer sein mussten, Anerkennung brauchten! Und weil sie keine Machtlosigkeit mehr ertrugen.

Doch allen gemeinsam ist, dass sie nun in ihrer unerträglichen inneren Leere und Armut rennen und rennen, um ihr Ansehen, ihren Besitz, ihre Macht, die Bindung an ihren Partner, die äußere Sicherheit zu steigern. Je weiter sie damit kommen, desto utopischer erscheint meist die Idee einer Umkehr. Die Angst, vor dem inneren Nichts zu stehen, die Orientierungslosigkeit lassen ihnen die Knie weich werden, und ohnehin glauben sie schon lange nicht mehr an solch hirnverbrannte Utopien wie eine Besinnung.
Ob sie nun die Macher, die Aktionäre, Unternehmer, Politiker und Arbeitgeber sind, oder einfach der Besitz-ergreifende Partner, ob es die Eltern und Pfarrer oder die Lehrer mit ihren überbordenden Eingriffen sind, sie alle kompensieren gewaltige Defizite. Und sie alle haben uns fest im Griff - so scheint es jedenfalls. Und sie werden nicht von selbst damit aufhören:
Wenn ein Mensch äußere Ziele erreicht hat, dann gilt es - parallel zum Anstreben des bereits nächsten Ziels -, sie zu erhalten, alles Erreichte einzufrieren und es, wenn nötig, mit den Fäusten zu verteidigen.
Wer einmal über Jahre eine größere Summe Geldes (oder einen begehrten Partner oder eine Machtposition) sein Eigen nennen durfte und sich auferlegt hat, diese eiserne Reserve zu erhalten, der weiß, was für ein beängstigender Gedanke es ist, dies zu verlieren. Wer sie nie gehabt hat, kennt diese Angst nicht, lebt aber gar nicht viel anders, oft sogar besser als der Andere. Der äußerliche Unterschied zwischen beiden ist nur die Zahl auf dem Konto oder der Mensch an seiner Seite, der zwar innerlich längst tot ist, sich aber noch verwenden lässt.
Und auch diese Menschen, die sich „da oben“ aufhalten, kennen nur die eine Angst: „da unten“ zu landen. Denn im Gegensatz zu „denen da unten“ wissen sie nicht mehr, wo ihr Herz sitzt, es sei denn sie gehen es mit der eigenen Hand suchen. Sie haben längst den Kontakt zum wirklichen Leben verloren. Es ist für sie beängstigend geworden, denn angesichts dieses eigentlichen, wirklichen Lebens „da unten“ erahnen sie ihre gnadenlose Leere. Ihresgleichen indessen bestärkt und drängt sie fortwährend, immer noch mehr Besitz anzuhäufen, immer noch mehr Macht zu erlangen, das Erreichte immer noch mehr zu festigen. Sie sind Spitzenpolitiker, Großunternehmer, Topmanager  und vielleicht einfach nur Ärzte, Schulleiter, Pfarrer oder sonst was für Macher geworden. Sie sind beauftragt, unsere Belange in die Hände zu nehmen, doch leider waren sie dafür nie geeignet. Klar, dass sie mittlerweile komplett andere Ziele verfolgen als ihre Auftraggeber, die ganze verunselbständigte Menschheit.

Nun gehen wir auf die halbhohen Barrikaden, wollen ihnen ans Knie pinkeln, stehen pöbelnd vor ihnen wie der hysterisch kläffende Terrier vor der stattlichen Dogge. Selbstredend sind sie allesamt nur noch auf Macht aus (ihre Form der Stabilität, die sie in Wirklichkeit zutiefst abhängig von uns macht). Und natürlich ertragen sie uns nicht mehr.


Übernimm!

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Kann es nun allen Ernstes unsere Aufgabe sein oder auch nur in unserem Interesse liegen, weiterhin an einer besseren, ja optimalen Obrigkeit zu arbeiten? Wer das tut, träumt und hat obendrein noch immer nicht die Verantwortung für sich selbst übernommen. Vergleich: wenn ein Mensch einen stattlichen Vater hat, der unvermittelt erste Anzeichen von Demenz aufweist, dann wird er von einer plötzlichen Unsicherheit erfasst: Sein Vater schwächelt! Irgendwann kommt Ungeduld mit dem Vater auf, je mehr dem alten Herrn die geistigen und körperlichen Belange danebengehen. Hier jedoch kann der Mensch so schnell keine Instanz finden, bei der er sich beschweren kann… außer - da gibt es doch die Medizin… „dass die auch immer noch nicht in der Lage sind, dem Alzheimer beizukommen!! Herrgott, das kann doch nicht so schwierig sein!“
Das „Volk“, das sich über die Institutionen beschwert, ist nichts anderes als ein Wesen, das wieder an seinen starken Vater glauben können möchte - einfach damit es die Verantwortung weiter bei ihm parken kann.
Und wir parken unseren Körper beim Partner, unseren Geist beim Psychologen und unsere Seele in der Kirche und ... siehe oben!

Aber wir sind diejenigen, auf die wir warten! Es gibt keine Umkehr mehr, die Menschheit reitet sich gerade so tief in den Morast, dass keiner mehr ignorieren kann, dass die Zukunft nur noch in seinen eigenen Händen liegt, nicht in den Händen der Andere, geschweige denn der „Obrigkeit“. Und genau dafür finde ich Morast immer wieder genial! Die Menschen müssen sich nun daran erinnern, dass sie eine Eigenständigkeit haben. Sie müssen nun an sich arbeiten oder ihr Leben beenden. Denn da wo sie jetzt sind, ist es unerträglich geworden.

Ist es nun die Lösung, den „Anführern“ zu sagen, dass wir sie doof finden, und dass wir in Erwägung ziehen, sie beim nächsten Mal noch doofer zu finden? Glauben wir wirklich, ihnen abringen zu können, in unserem Interesse zu handeln? Sie werden morgen die Gleichen sein wie heute, sie werden sich nur künftig besser verstellen, je mehr wir sie durchschaut haben. Jeder Einzelne von ihnen ist aus eigener Kraft dort oben angekommen, und so etwas geschieht nicht versehentlich. Wer dort oben ankommt, der wollte auch dort oben ankommen. Und er wollte das nicht, um für die „da unten“ zu sorgen, sondern weil er sich dort oben wohler fühlt. Jemand, der sich da oben nicht wohlfühlt, findet eine andere Lösung, seine Ziele zu verfolgen.
Wenn ich Revolutionen betrachte, dann stört mich eigentlich maßgeblich nur eines: Der Ansprechpartner ist der falsche! Sie sprechen in erster Linie zur Politik, zur Wirtschaft und erst dann zum Volk. Sprecht nur zum Volk! Warum verhandelt ihr noch immer mit jenen um Gerechtigkeit, die Euch nachweislich und unverhohlen bestehlen?? Lasst die in Ruhe, sie gehen Euch nichts mehr an. Wenn wir nicht mehr zur Verfügung stehen, können nur sie allein sich helfen. Aber Euer Nachbar, Eure Straße, Eure Stadt, Euer Kreis, Euer Land und alle anderen Länder gehen Euch etwas an! Ihr schimpft auf das Geld? Habt noch ein paar Monate Geduld, es stirbt. Habt ihr denn schon ein Bild vor Augen, wie es ohne gehen könnte? Hier und jetzt für Euch selbst? Macht Euch ein Bild!

Wenn die Menschen wieder eine Idee davon bekommen, wie ein Leben in Eigenverantwortung aussehen könnte, dann wird es nicht mehr möglich sein, so weiter zu machen. Die bloße Idee der Selbstverantwortung wird die Menschheit zwangsläufig bewegen. Erst kaum spürbar, dann aber unaufhaltsam immer sichtbarer. Die Menschen müssen sich unermüdlich Bilder machen! Und das ist in Wirklichkeit, was gerade passiert. Die Menschen fangen an, sich ein Bild davon zu machen, was sie ad acta legen wollen, und wie ihr Leben stattdessen aussehen könnte. Und die Jugend macht sich mittlerweile ein immer deutlicheres Bild davon, wie es sein sollte, denn in der globalen Vernetzung bleibt ihnen immer weniger verborgen. Und was ist? Die Welt bewegt sich! Sie wird sich ohne Frage sehr unsanft bewegen, aber wir müssen lernen, loszulassen, was marode ist, auch wenn es durchaus noch den einen oder anderen scheinbaren Vorteil für uns hätte. Der gegenwärtige Deal ist miserabel. Wir bezahlen mit unserem Wert. Doch das können wir beenden.

 

Herzlich, Yvonne  




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