Raum / Zeit / Materie

Eine Hommage an die „Physik-Freunde“ unter Euch

Raum, Zeit und Materie im Alltag
Diesen Schein-Giganten ordnen wir seit Jahrtausenden unser gesamtes Leben unter. Wir leben, als sei ihnen alles unterworfen und als hätten wir keinen nennenswerten Einfluss.
Nichts in unserem Alltag - wie wir ihn uns erschaffen haben - hat länger Bestand, sobald die Übermacht dieser drei Komponenten endet. Und obwohl sie enden wird – oder gerade deshalb – schenken wir ihrer wahren Natur noch immer kaum Aufmerksamkeit, sondern schleichen uns davon, kaum dass jemand den Finger darauf legt.
Die Unsicherheit den neuen Energien gegenüber macht dem Menschen zu schaffen, sie ist sein Gefängnis. Wir beharren lieber in alter Manier darauf, uns äußeren Bedingungen zu unterwerfen. Der Mensch besteht also weiterhin darauf, er finde die Welt vor, wie sie ist, seine Energien hätten darauf keinen Einfluss, und glaubt, ER müsse sich ihren Gegebenheiten anpassen und sein Leben darum herum bauen. Es geht uns nur selten um „ich bin“ und „hier“ und „jetzt“, sondern meist um „von hier nach dort“, „von gestern nach morgen“ und „von außen nach innen“. Fragen wie 
„Wie komme ich da nur wieder raus?“, „Wer bin ich denn bloß?“ und „Was habe ich eigentlich?“ lassen uns verschüchtert weiter mit der Meute heulen.
Ist es also bereits der Gipfel der Weisheit, zu denken, wir seien noch immer „Opfer“ von Raum, Zeit und Materie, oder könnten wir - mit etwas Mut - eventuell zu „Tätern“ avancieren?

Materie?
Der menschliche Verstand hat also alle Macht den scheinbar außerhalb seiner selbst liegenden Kräften überlassen, und es kommt für die Meisten beinahe einer Transformation gleich, sich den Erkenntnissen der Physik zu öffnen.
Es klingt zunächst einfach: Raum ist das, was zwischen allen Materieteilen existiert. Materie ist das, was nicht selbst Raum ist.
Doch dann stellt sich plötzlich heraus: Materie besteht hauptsächlich aus Raum. Und obendrein: Sie selbst ist nicht mehr und nicht weniger als eine Idee, geformt zu einem Hologramm.
Diese Behauptungen basieren auf der erwiesenen Tatsache, dass ein Atom größtenteils aus Nichts besteht: Denn wenn wir einen Atomkern auf Erbsengröße brächten, wären seine ihn umkreisenden Elektronen 170 m weit von ihm entfernt. Wenn wir ein Reiskorn auf die Mitte eines Fußballfeldes legen und auf den hinteren Rang des Stadions ein Sandkorn, haben wir in etwa die räumlichen Verhältnisse eines Atoms mit seinen Elektronen wiedergegeben.
Aber was befindet sich denn dann zwischen Atomkern und Elektron? Was hindert das Atom am Auseinanderfallen? Ein Elektron umkreist seinen Kern in nur einer Sekunde Billionen Male. Und doch hindert seine Fliehkraft es nicht daran, bei ihm zu bleiben.
Es ist eine Art Bindungsenergie am Werk. Es sind Bindungen aus purer Information, aus den Energien einer sich immer wieder neu kreierenden Idee. Das ist Alles! Auch der Atomkern ist keineswegs massiv, die Protonen und Neutronen in seinem Inneren (und ebenso die Quarks, aus denen wiederum diese bestehen) müssen sich ebenfalls nicht um einen Platz drängeln.

Das allein reicht eigentlich aus, dass wir unser Leben nie wieder so betrachten können, wie wir es eben noch taten – mal vorausgesetzt, unser Verstand gestattet uns wider Erwarten ein Innehalten bei dieser Einsicht. Aber es geht noch weiter:

Die Launen der Elektronen
Im Doppelspaltversuch fanden Physiker heraus, dass Elektronen beeinflussbar sind. Hierzu vorab eine Schilderung:      

betrachtungen/raum-und-zeit/TN_doppelspaltversuch.JPG (22.03.2013)Wenn wir eine große Platte mit zwei senkrechten Spalten darin vor eine Wand stellen und sie dann mit Teilchen, z.B. kleinen Bällen, bewerfen, ergeben die Abdrücke der Bälle auf der Wand hinter den Spalten irgendwann ein Muster von zwei Streifen.

Schicken wir hingegen Wellen (Wasser-, Schall- oder elektro-magnetische Wellen) durch eine solche Platte mit zwei Spalten, dann trennen sie sich zum Durchfließen der Spalten in zwei Strömungen und fließen dahinter kreisförmig wieder ineinander und bilden ein Überlagerungsmuster. Misst man den Wellendruck auf den verschiedenen Bereichen der Wand, ergeben sich bei diesen Messwerten dort nun mehrere Streifen, wobei der mittlere am breitesten ist.

betrachtungen/raum-und-zeit/interferenz2.JPG (22.03.2013)

Physiker stellten nun ein Gerät auf, das immer ein einzelnes Elektron nach dem anderen auf eine Platte mit nur einem Spalt schoss. Elektronen sind Teilchen, und wie man es von Teilchen erwarten darf, hinterließen die Elektronen auf der Wand dahinter einen Streifen. Und weil Elektronen Teilchen sind, sollten sie gemäß den physikalischen Gesetzen nun hinter einem zwei Spalten zwei Streifen bilden. Sie taten es aber nicht. Sie bildeten hinter dem Doppelspalt ein Überlagerungsmuster, wie Wellen es machen!

Dass Elektronen sich das eine Mal wie Teilchen und ein anderes Mal wie Wellen verhalten, ist definitiv verwirrend. Aber das ist noch nicht alles: 
Da ja Wasser- oder Schallwellen so ein Muster nur deshalb erzeugen können, weil sie sich an der Platte mit dem Doppelspalt teilen und dahinter wieder ineinander fließen können, fragt sich doch „was tun dann die Elektronen da?“. Sie sind keine Wellen und wurden außerdem doch immer nur einzeln abgeschossen, können sich also mit den Flugbahnen anderer Elektronen gar nicht überlagern. Dennoch hinterlassen sie Abdrücke wie Wellen, und das zu allem Überfluss an Stellen, an die sie mit einer geraden Flugbahn gar nicht hätten gelangen können. Und selbst wenn ihre Flugbahn vielleicht nicht ganz gerade sein sollte, verwundert es wiederum, warum sich ein so ordentliches Muster auf der Wand bildet und keine unscharfen Abdrücke.

betrachtungen/raum-und-zeit/TN_interferenzpfeil2.jpg (22.03.2013)Dies erlaubte den versierten Gelehrten nur eine Schlussfolgerung: Ein Elektron kann an zwei Stellen gleichzeitig sein oder seine Bahn verlassen oder sogar beides. Sonst wäre es ihm nicht möglich, sich so zu verhalten, und könnte selbst mit Tausenden seiner Art unter keinen Umständen ein Interferenzmuster bilden (roter Pfeil: wie sollten die Teilchen dort hingelangen, ohne die Platte zwischen den Spalten zu durchdringen?).

Doch die Welt der Elektronen hat noch ein Ass im Ärmel. Die Verblüffung hat die Forscher zu einem weiteren Versuch veranlasst. Da sie jetzt wissen wollten, was die Elektronen taten, bevor sie den Spalt passierten, stellten sie ein Messgerät auf, das die Aktivität vor den Spalten „beobachten“ sollte.

Was sie nicht erwarteten war, dass die Elektronen sich sofort wieder wie ordentliche Teilchen benahmen und hinter dem Schirm nun die zwei Streifen hinterließen, die der Mensch von Anfang an erwartet hatte. Ihr Benehmen als Welle gehörte also plötzlich der Vergangenheit an – bis sie wieder unbeobachtet waren!
Es klingt verrückt, doch haben die Elektronen aufgrund der Tatsache, dass sie getestet wurden, eine neue Entscheidung getroffen? Wurde nur das Ergebnis ihrer Bewegung betrachtet, so benahmen sie sich wie Wellen. Wurde aber ihr Verhalten geprüft, so verhielten sie sich wie Teilchen ... so wie der Mensch sich das vorgestellt hatte.

Die „Realität“?
Resümieren wir also, dass Raum das ist, was sich zwischen Materieteilen befindet, und dass die Materie auf der gesamten Welt aus Informationsfeldern zwischen sehr weit auseinander liegenden Teilchen besteht, die wiederum unter Beobachtung sich plötzlich anders benehmen als sie es normalerweise tun.
Was also bedeutet das nun für meine Realität? Was ist mit dem Tisch hier vor mir, was ist mit ... meinen Händen? Das heißt ja, dass es nichts gibt, was wir wirklich anfassen können oder mit dem wir etwas anfassen können! Hand und Gegenstand sind nur die aufeinander stoßenden Spannungs-Felder relativ weniger organisierter Teilchen. Und da die Elektronen so weit auseinander liegende, unglaublich winzige, einzelne Partikelchen sind, die pausenlos 
ein riesiges Gebiet abfliegen, können wir noch nicht einmal sicher sein, dass sie gerade da sind, wo wir sie brauchen. Sie sind mit ihrer unvorstellbaren Geschwindigkeit allerdings ohnehin so schnell, als wären sie überall gleichzeitig.
Wenn wir m
it unserer Hand etwas ertasten, entdecken wir in Wirklichkeit einfach nur, dass wir gegen eine andere Information, eine andere Existenz gestoßen sind. Und an deren Oberfläche geht es für unsere Hand offenbar nicht weiter, und das stimmt auch. Unsere Hand ist ein Feld, das nicht unser Tisch ist, und die Informationen der Beiden sind zunächst inkompatibel. Was für ein Glück! Wir setzen voraus, dass wir dort nicht durchkommen, und belassen es dabei. Für uns eine sehr alltagstaugliche Einstellung.
Andererseits: könnten wir die Atome und Elektronen in unserer Hand wahrnehmen und geschickt lenken, dann könnten wir es arrangieren, dass unsere Atome die Atome z.B. einer Wand einfach passieren, so wie all die entgegenkommenden Fußgänger in einem belebten Einkaufszentrum es täglich miteinander tun. Doch weil wir komplizierten Umständen wie Raum und Zeit – wie wir sie einschätzen – eine solche Macht einräumen und darüber hinaus tagein, tagaus unsere gesamte Aufmerksamkeit vollkommen unwichtigen Dingen schenken und uns für sie erschöpfen, gelangt eine so filigrane Unternehmung gar nicht erst in den Bereich des Möglichen. Wir sind überfordert, sobald wir über solch eine Idee auch nur nachdenken.

Scheint uns der typische Forscher, der altbekannte „zerstreute Professor“, deshalb so weltfremd? Oder ist er das genaue Gegenteil? Denn es gibt nur wenige Menschen, die sich in beiden Realitäten mühelos bewegen können.
Das Wahrnehmen der Zellen des Körpers, ja, der Atome, ist durchaus möglich, erfordert aber für den Moment eine völlige Abkehr von allem was ich „weiß“ und eine bedingungslose Hingabe allem gegenüber, was „sein kann“, einschließlich der Frage, ob es mich als Person gibt. Wir müssen alles vergessen, worauf die gesamte Wahrnehmung unseres Daseins sich gründet, und uns öffnen für eine Realität, in der uns nichts auch nur den geringsten Halt bietet – außer uns selbst.
Es gibt Menschen, die entgegen allen biochemischen Gesetzen jahrelang nichts essen oder trinken. Sie brauchen diese Hilfsmittel nicht, denn ihre Körper gehorchen einem anderen Wissen. 

Raum ist Relation
Es gibt noch mehr Interessantes vom „Raum“ zu erzählen. Er wird z.B. definiert in Dimensionen:

Es beginnt mit einem Punkt. Ein „Ist“ ohne jegliche Dimensionen. 
betrachtungen/raum-und-zeit/TN_dimensionen.jpg (22.03.2013)Wir verdoppeln ihn und verbinden ihn und sein Gegenstück
durch eine Linie (stellen sie in Relation zueinander, erschaffen
eine Relativität). Die erste Dimension ist entstanden und mit
ihr die Begriffe „hier“ und dort“.
Die zweite Dimension entsteht durch die Verdoppelung dieser
Linie, und auch hier wiederum ihre Verbindung miteinander.
Die Sprache erweitert sich u.a. um die Worte „hinter“, „vor“
und „neben“. 
Die dritte Dimension bildet sich durch die Verdoppelung dieser
so entstandenen Fläche. Ein Raum ist entstanden, und damit die
Trennung in „innen“, „außen“, „oben“ und „unten“.
Die vierte Dimension nun entsteht durch die Verdoppelung
des so gebildeten Raumes und die Verbindung der beiden – 
„hier drinnen“ und „da drinnen“ und „beides gleich-zeitig“...
Über die fünfte Dimension kann ich nur sagen, dass ich darin
                                                            (Abb.: Wikipedia)
ein „Fühlen, dass Alles ist“ empfinde.

Zeit ist ein Raum
Mit dem obigen Schema der Dimensionen bekomme ich eine Ahnung, wie die Wissenschaft sich auf die Idee versteigen konnte, die vierte Dimension habe etwas mit Zeit zu tun... Ich verweise auf Einstein, der schon damals aufgrund seiner Forschungen und Erkenntnisse betont hat, mit Raum und Zeit verhalte es sich nicht so wie wir meinen. In der Physik überrascht es niemanden mehr, wenn gesagt wird, es gebe mehrere Wirklichkeiten nebeneinander.
Doch für mich es ist die eine Sache, ob ich die Physik verstehe, und noch einmal eine andere Sache, ob ich mir all das merken und es jederzeit von meinem inzwischen rebellierenden Verstand abrufen kann, der - spätestens in diesen Zeiten - ohnehin allmählich ahnt, dass eine Um-Ordnung seines innig und verzweifelt geliebten Weltbildes unmittelbar bevorsteht. Und es ist wiederum eine völlig andere Sache, ob ich diese Erkenntnisse dann in meinen Alltag übernehme.
Doch wenn schon nicht als Wissenschaft, so kann ich diese Erkenntnisse immerhin als Einladung nehmen, alles für möglich zu halten und mich allem Sein unvoreingenommen zu öffnen. Ich kann mich - so geduldig mit mir selbst wie möglich - daran annähern, mich nur dem puren Sein einzig dieses Augenblickes und erst dann des nächsten hinzugeben, so sehr es mir irgend gelingt. Albert Einstein: „Wenn du ein wirklicher Wissenschaftler werden willst, dann denke wenigstens eine halbe Stunde am Tag das Gegenteil von dem, was deine Kollegen denken“.
Er selbst ging mit der Zeit eher lakonisch um (wie mit seiner Wäsche: „Wozu Socken, sie machen nur Löcher“). Er sagte einfach „Zeit ist das was man von der Uhr abliest.“
Sein Freund John Archibald Wheeler sagte: „Zeit ist das, was verhindert, dass alles auf einmal passiert.“

Zeit in der dritten Dimension
Raum und Zeit setzen also zwar Dinge und Geschehnisse gütigerweise zueinander in Relation, sind dabei selbst jedoch ebenfalls äußerst relativ.
Die Zeit vergeht nachweislich in einem Raum, der sich rasch vorwärts bewegt, langsamer als an einem stehenden Ort - dies lässt sich mit einem entsprechenden Zeitmesser sogar auf einem einfachen Passagier-Langstreckenflug nachweisen. Schon allein darum kann ich nicht mehr davon ausgehen, dass unsere gute alte „Zeit“ das ist, für das wir sie halten. Sie war für mich früher nie etwas, das sich relativieren oder sonst wie beeindrucken oder gar beeinflussen lässt.

Vor dem Urknall gab es nichts, das die Definition von Raum oder von Ereignisabläufen nötig oder auch nur möglich machte. Da gab es nichts, das sich zur Erschaffung von Relativität oder ihrer Anwendung geeignet hätte. Das Universum, und damit auch Raum und Zeit, entstand ja erst im Urknall, dieser unglaublichen Explosion von nichts als Nichts, die alles was uns umgibt und was unsere Körper ausmacht, geboren hat -  und die bis heute Nachwehen hat: es wird beobachtet, dass das All sich seitdem noch immer ausdehnt. Mit anderen Worten: der Raum expandiert, und die Zeit, die etwas ist, das sich zwischen Räumen spannt, ebenfalls. Wenn der Weltraum also in Bewegung ist, sich ununterbrochen verändert, muss ich davon ausgehen, dass die Zeit vor hundert Jahren nicht das gleiche war wie das, was sie in hundert Jahren sein wird.
Fazit: Der Welt-Raum dehnt sich langsam aber sicher aus, und die Zeit ist auch nicht mehr das, was sie mal war. War sie für uns noch vor 15 Minuten einfach nur eine Möglichkeit, dem Ablauf der alltäglichen Dinge eine Reihenfolge zu verleihen, scheint sie jetzt beinahe so anfassbar wie der Raum.

Schwarze Löcher
Viele Gemüter haben sich dem Rätsel des Universums gewidmet und tun es bis heute: Einstein, Wheelers, Feynman, Thorne und Hawking, um nur ein paar wenige von ihnen zu nennen. Die Physik geht heute völlig selbstverständlich von der Krümmbarkeit von Raum, Zeit und Licht aus.
Betrachten wir allein die Erkenntnisse über die vielbestaunten „Schwarzen Löcher“. Sie verlangen uns den allergrößten Respekt ab, und doch sind sie verständlich erklärbar:
Jeder Atomkern, und damit absolut jede Materie, hat eine Anziehungskraft. Wir denken meist nur an die Anziehungskraft der Erde oder eines Magneten, doch sie findet sich bei jedem noch so kleinen Gegenstand. Sie wird lediglich meist von der enormen Kraft der Erde in den Schatten gestellt wie das Licht einer Kerze, die in der Sonne steht.
Ein Stern hat bedeutend mehr Atome als unsere Erde und aufgrund seiner Masse eine wahrhaft beeindruckende Anziehungskraft. Sie geht von seinen Atomkernen aus, und auch diese selbst sind unausweichlich untereinander ihrer anziehenden Kraft ausgesetzt. Ein ungeheurer Druck wirkt ununterbrochen auf die Atomkerne eines Sterns, sie ballen sich so kraftvoll zusammen, dass es sogar zu Fusionen kommt. Diese Fusionen jedoch setzen enorme Hitze frei, die wiederum zu einer Ausdehnung führt, so dass die Größe des Sterns durch die Kompression nicht abnimmt. Aus seiner eigenen Hitzeproduktion bezieht er also seine Lebensgarantie, und da die Kerne in einem Stern unaufhörlich fusionieren, ändert sich daran erst mal nichts. Doch irgendwann, wenn es zu keinen weiteren Fusionen mehr kommen kann, baut diese Wärme ab, denn auch ein Stern ist kein Perpetuum Mobile. Die Folge ist nun endgültig die Kompression und damit die Verdichtung der Atome: sie pressen sich auf einen immer kleineren Raum zusammen, so dass sich ihre ganze ungeheure Gravitationskraft immer noch mehr konzentriert. Diese Anziehungskraft geht irgendwann sogar so weit, dass selbst das Licht, das von diesem Stern erzeugt wird, nicht mehr entkommen kann. Der Stern verschluckt seine eigenen Strahlen! Das Ganze endet damit, dass der Stern sich selbst absorbiert, und dass seine Kraft alles um ihn herum in ihren Bann zieht und nie mehr loslässt. Ein Schwarzes Loch ist entstanden, dessen Licht nicht mehr austreten kann und von uns daher nicht wahrgenommen wird. Was auch immer sich fortan diesem „ehemaligen“ Stern nähert, wird von seinem gigantischen Sog erfasst und ihm einverleibt: Materie, Raum, Zeit und Licht. Es gibt nun eine Dimension „jenseits“ dieses Sterns, und dorthin „verliert“ sich alles, was an Raum, Zeit und Licht in seine Nähe kommt. Aus der Ferne betrachtet können wir dies nur noch als etwas Schwarzes erkennen, denn das Licht des Sterns müsste ihm erst entrinnen können, um ihn für unser Auge wahrnehmbar zu machen. Alles was dem Stern nicht ganz nahe genug kommt, um von ihm für immer erfasst zu werden, wird mindestens einen ordentlichen Sog abbekommen: Das Netz der Raumzeit wird verzogen, gekrümmt, verbogen, und so auch der damit verbundene Zeitfluss.

Raum und Zeit können also bewegt und verschoben werden. Ein jeder Stern verzerrt mit seiner Masse und der damit einhergehenden Energie den Raum und damit auch die Zeit um sich herum, und die Zeit „verläuft“ in der Nähe so großer Massen langsamer. Je größer die Geschwindigkeit eines Raumes oder die Masse eines Sternes, desto mehr büßt die dort herrschende Zeit an Geschwindigkeit ein. Wenn wir ein Wettrennen veranstalten, dann fliegt die Landschaft an uns vorüber, doch unsere Mitlaufenden wirken in Relation zu uns, als liefen sie auf der Stelle. Oder wie Andreas Campobasso es in „Das Prinzip“ ausdrückt: „Wenn die Zeit langsamer vergeht, sobald wir uns schneller bewegen, verhält es sich - bildlich gesprochen - offenbar wie auf einer Autobahn: wenn ich am Rand stehe, sehe ich nur Raser, wenn ich aber mit 80 km/h mitfahre, sehe ich überholende Autos. Wenn ich mit 180 km/h auf der linken Spur fahre, sehe ich nur Hindernisse.“

Newton ging in seinem 17. Jahrhundert noch davon aus, dass Raum und Zeit einfach den unbeeindruckten Hintergrund für alles Geschehen in unserem Universum bilden. Die Zeit hatte es nach Ansicht Isaac Newtons schon immer gegeben, und er glaubte, sie wäre nicht in der Lage, daran etwas zu ändern. Der Raum wiederum sei selbstverständlich von ihr getrennt zu betrachten. Damals war es für die meisten Menschen außerdem eine feststehende Tatsache, dass das Universum erst wenige tausend Jahre zuvor genau so erschaffen worden sei, wie es jetzt existiere. Immanuel Kant jedoch fragte sich: „Wenn das Universum tatsächlich mit einem Mal erschaffen wurde, warum dann diese unendliche Wartezeit vor der Schöpfung? Oder aber: wenn es schon ewig existiert, warum ist dann nicht alles, was geschehen könnte, bereits geschehen und die Geschichte längst zu Ende?“ (veränderter Auszug aus Hawkings „Universum in der Nussschale“). Und warum hat das Universum in all der Zeit noch nicht einmal ein thermisches Gleichgewicht erreicht?

Hatte das Universum jedoch im Urknall seinen zündenden Anfang (mal abgesehen von einem Ende), in dem Raum, Zeit und Materie erschaffen wurden, dann ist all dies, was wir mit unseren Sinnen erfassen können, ein überwältigender Film, sonst nichts. Denn das Leben lässt sich einfach nicht von der Wissenschaft erfassen, so sehr sie sich auch bemüht, und Raum und Zeit sind ganz offenbar seine Spielbälle, mit denen es die Masse in Bewegung hält, wie es ihm gerade einfällt.

Die Frage drängt sich immer mehr auf, wo Gott eigentlich ist, während ich das hier schreibe. Es ist sein zweites Meisterstück (das erste war für mich das 'Erschaffen' von Leben), das wir hier besiedeln: Sein Raum, seine Zeit, sein ganzer Kram, sein Film, geschaffen aus sich selbst!

Aber was hat Gott eigentlich gemacht, bevor er das alles erschuf?
Hier komme ich wieder mit Sachen aus Hawkings Buch, wo der heilige Augustinus erwähnt wird, der angesichts der Blasphemie dieser Frage eindringlich mahnte, man solle darüber keine Witze machen, dann aber anfügte, Gott habe vorher die Hölle für diejenigen geschaffen, die solche Fragen stellen (auch er konnte seine Gedanken offenbar nicht ganz im Zaum halten). Er beantwortete die Frage für sich folgendermaßen: Er glaubte Gott habe, bevor er Himmel und Erde erschuf, gar nichts getan.
Aber mit so für Manche eher 'profanen' Dingen wie Gott will nicht jeder hier sich befassen. Also komme ich wieder auf das eigentliche Thema. Nur - ich möchte mal sagen, Gott kommt mir hier daher wie Urlaub.

Zeiten
Nicht nur, dass die meisten Physiker nur noch unbeeindruckt mit dem Kopf nicken, wenn erwähnt wird, Zeit sei relativ, veränderbar, endlich und launisch: es wird gemunkelt, sie sei nicht einmal allein!
Es gebe mehr als einen Zeitstrang. Es gebe sogar unendlich viele, und sie seien miteinander verknüpft.

Nur ein Film...
Wenn unendlich viele Zeitstränge parallel zueinander existieren und wir uns darin vorwärts bewegen, dann ist auch dieser Film hier längst abgedreht worden. Er läuft und läuft und ist unendlich lang. Und es sind unendlich verschiedene Filme gleichzeitig in ihm vereint. Es hieße, jede einzelne nur mögliche Variante eines jeden nur möglichen Daseins, Geschehens, Handgriffes und Geräusches sei bereits als Aufnahme vorhanden und werde in jedem Bruchteil einer Sekunde neu abgerufen. Es wären also endlos viele Kanäle der Zeit, durch was wir uns hier bewegen.
„Richard Feynman“, so Hawking, „… schlug die Hypothese vor, dass Teilchen auf ihrem Weg von einem Ort des Universums zum anderen jeder möglichen Bahn durch die Raumzeit folgen, mit anderen Worten: jede irgend mögliche Geschichte durchleben.“ So kommen wir an den Punkt, an dem wir begreifen, dass alles gleichzeitig in einem unendlich langen, unsagbar kurzen Moment geschieht. Es ist die imaginäre Zeit, in der wir uns bewegen, und sie ist einfach eine von vielen Raumrichtungen.
Andreas Campobasso („Das Prinzip“): „Zeit verändert sich nicht, obwohl alle Dinge sich mit der Zeit verändern. Denn Zeit ist eine Kraft, die Ereignisse getrennt hält, jedes an seinem Platz. Zeit ist nicht in Bewegung aber Du bewegst Dich durch die Zeit, weil sich Dein Bewusstsein von einem Ereignis zum anderen bewegt.“

Das Universum
Das Universum, wie wir es kennen, ist endlich, und es wird spekuliert, was sich jenseits seiner Grenzen befindet. Es gibt drei führende Theorien darüber, doch für mich steht fest, dass die Grenze des Universums nicht nur ein bestimmter Ort in Raum und Zeit ist, denn dann könnte man einfach darüber hinausgehen und die Gebiete dahinter immer weiter als Fortsetzung eben dieses Universums deklarieren.
Dass die Grenze einfach ein Riss ist, an dem sich alles staut, finde ich ebenso absurd wie die Vorstellung, das All sei vielleicht in sich bündig wie die Erdoberfläche.
Nachdem ich mich mit dem Thema befasst und vorher, dabei und danach vieles begriffen habe, kann es für mich nur eine Möglichkeit geben, dass nämlich der Begriff „Universum“ einfach ein Synonym für „Ort des Geschehens“ ist. Jenseits seiner Grenzen geschieht meines Erachtens nichts, was wir aus unserem materiellen, polarisierten Bewusstsein heraus begreifen könnten, und dahinter dann findet sich vermutlich das nächste Universum. Lasse ich mich aber auf all die Erkenntnisse und Erfahrungen ein, die ich im Laufe meines recht aufmerksamen Lebens gewonnen habe, ohne sie dauernd mit meinen unbeholfenen sechs Sinnen erfassen zu wollen, dann bin ich mir für mich recht sicher, dass außerhalb des Universums (bzw. zwischen den Universen) noch immer die gleiche Situation herrscht wie vor dem Urknall, denn diese Situation ist uns auch hier und jetzt, an unserer Seite, vor, über, unter, hinter und in uns erhalten geblieben: Die Sphäre zwischen den Teilchen, die wir Raum nennen. Im Großen wie im Kleinen. Ein Universum in einem Universum, das von einem Universum umgeben ist. Unglaublich viel Raum, gefüllt mit unglaublich vielen Ideen.
Raum und Zeit sind keine Illusion, doch auch keine verbindlichen Größen.
So sicher wie Materie 'nur' die Macht einer Idee ist und aus ein paar winzigen Teilchen und jeder Menge Bindungsenergie besteht, so sicher lässt sich diese Bindungsenergie für unsere Zwecke gebrauchen, wie wir es immer getan haben. Daran ändert sich nichts. Es sei denn wir ändern etwas daran: das Universum expandiert, und unsere Welt, mitsamt Raum und Zeit, expandiert und wartet darauf, von uns im vollen Umfang genutzt zu werden.

Gott und die Welt
Die Situation vor dem Urknall oder auch außerhalb unseres Universums nennen wir „Nichts“. Doch dieses sogenannte „Nichts“ war oder ist im Endeffekt „Alles“, und das, was wir hier um uns herum für „Alles“ halten, ist dagegen Nichts. Aber es ist nichtsdestoweniger unser ...

...Hauptfilm
Der allergrößte Teil der Menschheit sitzt im Grunde im Kino und sieht sich die Werbung und Vorfilme an, und die Meisten sind noch vor Beginn des Hauptfilmes wieder draußen und gehen in den nächsten Kinosaal, um sich auch dort die Werbung und die Vorfilme anzusehen. Und das ist genau, was uns ausmacht. Wir Menschen haben einen so spannenden, ständig wechselnden Werbespot am Laufen (es erinnert mich an die Treppen bei Harry Potter, die dauernd die Richtung wechseln), dass der Hauptfilm immer wieder nur eine kurze Episode, eine vorübergehende Einkehr, eine Verschnaufpause ist, bevor wir uns wieder ins Getümmel stürzen. Schade ist keineswegs, dass wir das „Nichts“ mit dem „Alles“ verwechseln, schade ist einfach nur – und das so sehr, dass es unendlich schmerzt -, dass so Viele von uns im Vorfilm vor die Hunde gehen, weil ihnen nie jemand gesagt hat, dass alles gut sein wird.

Der Werbefilm ist das, was wir tagtäglich tun, denken, fühlen und glauben - das, wofür wir uns aufreiben, wofür wir alles geben, alles weggeben. Er ist das, was wir für den Hauptfilm halten, er besetzt, bestimmt, beherrscht und lenkt uns: er ist unser Alltag.
Der Hauptfilm ist die Einkehr in das, worum es in Wirklichkeit geht. Er ist das, was hinter den Kulissen und überall außerhalb des Filmtheaters stattfindet. Er ist, was in Wirklichkeit seit Urzeiten vor sich geht und niemals versiegen kann. Er findet dort statt, wo es keinen Mangel, keine Leere und keine Ängste gibt. Dort wo er stattfindet, ist jeder in sich stabil, satt, selbstbewusst und im allerhöchsten Maße schöpferisch.
Dort wo die unermüdliche Werbung in den Hauptfilm wechselt, gehen wir wie durch eine Tür, und in dieser Tür liegt ein Fußabtreter, der alles festhält, was in den Hauptfilm nicht reingehört. Und auf diesem Fußabtreter liegen nicht etwa nur Dreckklumpen. Dort stehen ganze Schuhe! Paarweise Schuhe, Stiefel, Latschen, all das Schuhwerk das wir uns im Laufe unglaublich langer Zeit angezogen haben.
Eine Frage übrigens: weißt Du, wie Deine nackten Füße genau aussehen, oder noch besser: wie sie sich anfühlen? Bist Du sicher, dass sie überhaupt da sind? Kannst Du Deine Füße mit geschlossenen Augen finden, ohne dass Du sie mit irgendetwas berührst? Von innen heraus sicher sein, dass sie da sind? Wenn Du das schaffst, wenn Du Deine Hände und Füße und was sonst noch Deinen Körper ausmacht (vor allem Deinen Brustkorb), finden kannst, ohne dass Du sie bewegst, anfasst oder ansiehst, dann kannst Du davon ausgehen, dass für Dich - noch zu Lebzeiten - der Hauptfilm begonnen hat.
Eine ähnliche Betrachtung: wenn Du Dir vorstellst, Du hättest Dein Gedächtnis verloren, es sei gerade dunkel, und Du könntest Dich nicht anschauen, und Du spürst einfach dem nach, was Du gerade bist, wer Du zu sein fühlst – dann weißt Du, wer Du Mensch wirklich bist. Nicht Dein Gehirn, nicht Deine Persönlichkeit, nicht Dein Körper. Einfach „Du“.

Betrachte ich die Zeit, die ganz einfache, auf der Uhr sichtbare und auf dem Kalender ablesbare Zeit - ihre vergangene Spanne und ihre kommende, zwischen denen sich die Gegenwart sofort wieder verliert, kaum dass sie entstanden ist – so habe ich unzählige Male erlebt, wie sie mir mit ihrer Dringlichkeit den Atem nahm, mir den Augenblick stahl und oft genug alles vergehen ließ, was mir lieb war.
Bewege ich mich aber einmal in nur diesem einen Augenblick, der eben jetzt stattfindet, ungeachtet dessen, was war und was sein wird, und lasse ich mich wirklich auf ihn ein, begrüße ihn vorurteilslos und urteilslos - was auch immer er mir mitbringt -, dann weiß ich, dass es keine Zeit gibt. Es gibt mich und meine Ewigkeit, Dich und Deine Ewigkeit, diesen einen Moment für immer, und den nächsten auch. Wer je diesen einen Augenblick erlebt hat, der hat es entdeckt: das unerschütterliche, zeitlos ewige „Jetzt“. Und doch ist das Menschsein eine Reise durch die Möglichkeiten, ein herrlicher Spielfilm, von dem wir nur wissen müssen, dass er nach unserem Ermessen verläuft, und nicht willkürlich, grausam und unabhängig von uns.

Polarität
Es kann in unserer Epoche nicht mehr davon ausgegangen werden, dass etwas getan werden oder erreicht werden muss. Es geht um lebendiges Sein statt Tun. Etwas tun oder tun müssen, etwas erreichen oder erreichen müssen ist ein Teil des Polaritätsbewusstseins, das uns Menschen bestimmt. Wir bewegen uns darin in jeder Hinsicht, in jedem Moment, in jedem Gefühl, in jedem Problem von A nach B - egal was wir tun, immer ist es zielgerichtet, an äußeren Strukturen festgemacht. Es gibt für uns immer, immer und immer wieder irgendetwas, was noch erreicht werden muss, und darin verlieren wir uns. Doch wir sind dabei, diese Polaritäten zu verlassen, die Konzepte und die gesamte Struktur von Gut und Böse, von Erstrebenswert und Abschaffungswürdig aufzulösen, weil sie unerträglich geworden sind.
Und das ist gut so. Wir werden verweilen und sein.
Es gibt zwischen zwei Extremen immer eine dritte Zone: heiß, kalt, warm - oben, unten, Mitte -Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart - vorhin, nachher, jetzt - hart, weich, sanft - Mann, Frau, Kind.
Die dritte Variante ist meist die faszinierendere aber auch beunruhigendere, jene, die sich nicht sterilisieren lässt. Sie ist es, die das Leben ausmacht, denn es bewegt sich selten so hart am Rande, dass wir mit zwei Dimensionen auskommen. Die dritte beherbergt unsere Realität. Die vierte unser Leben! Doch um welchen Preis gehen wir dagegen an! Ein Mann ist männlich. Alle anderen sind Weichlinge. Eine Frau ist weiblich. Alle anderen sind Emanzen. Die Vergangenheit hat uns geprägt. Sonst sind wir ignorant. Die Zukunft ist unser Ziel, sonst sind wir verantwortungslos. Das Wetter ist heiß oder kalt, sonst „können wir nicht klagen“.
Wir alle müssen nach „oben“ (eine steile Karriere, ein tolles Aussehen, gute Noten, Besitz, Ordentlichkeit, eine gute Mutter), und dann müssen wir vor allem dort bleiben, sonst sind wir schnell wieder ganz unten.
Warum soll ich mich nicht einfach mal dazwischen bewegen und so benehmen, wie ich bin? Warum? Weil dann ich selbst entscheiden muss, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Weil es sich kompliziert anfühlt, wenn wir uns nicht mehr an die guten alten Konventionen halten können, sondern ein eigenes Muster weben müssen. Weil dann über uns gerichtet werden kann. Vorher ist alles in Ordnung – und wir halbtot. Dann kommt eine vorübergehende Unordnung und dann eine anfangs fast unbegreifliche Lebendigkeit.

Gegenwart
Was ist verkehrt an der Gegenwart?
„Eben habe ich dies und jenes gemacht, und jetzt bin ich auf dem Weg in die nächste Stunde.“
Das ist alles, was das „Jetzt“ für uns darstellt. Das Sprungbrett in die nächste Stunde.
Das „Jetzt“ beinhaltet Uns! Jeden Einzelnen für sich. Das ist es, was uns beunruhigt. Es beherbergt unsere Existenz. Keine Erinnerung oder Vorausschau, sondern nackte Tatsachen.

Leben
Wir werden uns mit ziemlicher Sicherheit von der Polarität verabschieden und entdecken, dass alles gut ist, wie es ist. Dass wir bisher in allem nur entweder etwas Schlechtes gesehen haben, das wir weghaben wollen, oder aber etwas Gutes, das wir leicht wieder verlieren könnten. Wir übersehen das Leben und verlieren uns in Angst und Zweifel, weil wir ansonsten nichts mehr haben. Weil alles wackelt, weil die Welt um uns herum an Stabilität verliert.
Denn selbst uns gibt es doch nicht mehr wirklich, und auf die Anderen ist kein Verlass. Das erzeugt Angst. Es ist Existenzangst, denn wir glauben nicht mehr an unsere bedingungslose Existenz, sondern machen sie von äußeren Umständen abhängig (Beruf, Geld, Nahrung, Haus, Auto). Spüren wir jedoch, dass es uns selbst wieder gibt, dann löst sich die Angst auf, dann kann uns nichts mehr passieren, dann verschwindet der Glaube an Mangel, Zweifel, Heilen müssen und „ich kann das nicht“.
Finanzsysteme, Religionen, Regierungen werden bereits brüchig, knicken weg und halten dabei arrogant den Kopf oben. Sie sind künstliche, sterbliche Konstrukte, in denen das Leben nicht stattfinden kann.
Es wird den Menschen wieder geben, und es wird ihm nichts Unfähiges mehr anhaften.
Gefangen in unserer Polarität glauben wir, wir müssten dauernd etwas tun, damit es uns gut geht. Wir denken, für unser Glück brauchen wir etwas ganz Bestimmtes, weil uns etwas „fehlt“. Wir glauben, wir müssten unzählige Ziele erreichen, bis wir glücklich sein können.
Viele Menschen sind bereits auf dem Weg aus dem täglichen „Muss ja“ heraus und haben außerhalb dessen sich selbst vorgefunden. Und ich beobachte seit Jahren, dass es rasch mehr werden. Es gibt immer weniger Menschen, die sich mit dem kläglichen Rest Leben, den der Alltag ihnen lässt, begnügen. Sie haben Sehnsüchte, sie fühlen sich leer. Sie können nicht mehr, sind krank, unglücklich, hetzen immer neuen Zielen entgegen, hinter denen sie ihre Erfüllung erhoffen.
Und nun haben wir die Wahl: wollen wir weiterhin künstliche Strukturen erkämpfen und sie mit Waffen verteidigen, wie wir es schon nicht mehr anders kennen? Oder wollen wir in unser Leben einsteigen, das nur auf uns wartet?

                                                    


(Abbildungen aus bearbeitetem Internet-Material)



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