Raum / Zeit / Materie  I   II   III   IV

An die „Physik-Freunde“ unter Euch

Leben in Raum, Zeit und Materie

Diesen Schein-Riesen ordnen wir seit Jahrtausenden unser gesamtes Leben unter. Wir denken und handeln, als sei ihnen alles in unserem Leben unterworfen und als hätten wir keinen nennenswerten Einfluss.
Nichts in unserem Alltag, wie wir ihn uns erschaffen haben, ist länger dasselbe, sobald die Übermacht dieser drei Komponenten endet. Und obwohl sie enden wird – oder gerade deshalb –, schenken wir ihrer wahren Natur noch immer kaum Aufmerksamkeit, sondern reagieren ratlos bis verwirrt, wenn jemand nachdrücklicher den Finger darauf legt.

Die Unsicherheit gegenüber den durch die beständig hereinflutenden neuen Energien geweckten inneren Bewegungen macht dem Menschen zu schaffen. Sie geht aus sehr alten Ängsten hervor, unserem größten Hindernis. Wir halten beharrlich und in beinahe unveränderter Manier daran fest, uns äußeren Bedingungen zu unterwerfen. Der Mensch hält (sich) weiterhin immer wieder daran fest, dass er die Welt doch so vorfinde wie sie sei und er darauf keinen Einfluss habe, und glaubt, er müsse sich den Gegebenheiten anpassen und sein Leben um sie herum bauen. Das geschieht nicht nur aus Hilflosigkeit, sondern ist auch ein Halt und Trost für eine tief erschrockene, entmachtete und zweifelnde Gesellschaft. Uns leiten „Ich bin“, „hier“ und „jetzt“ noch immer relativ selten an, umso mehr dagegen das Machen, das Organisieren, das Tun, die Bewegung von A nach B, von gestern nach morgen und von außen nach innen. Hauptsache wir haben etwas, das wir regeln können. Die Antworten auf Fragen wie „Wie komme ich da jetzt wieder raus?“, „Wer bin ich denn nun?“ und „Was habe ich eigentlich wirklich?“ werden bereits klarer, doch solche Fragen verwirren uns im Alltag noch immer und lassen die Meisten sehr oft dann doch schüchtern wieder mit der Meute heulen und Schutz in ihr suchen.

Ist es also bereits der Gipfel der Weisheit und Courage, als Sicherheit spendenden Rückhalt immer wieder zu dem Denken zurückzukehren, wir seien „Opfer“ von Raum, Zeit und Materie, oder könnten wir - mit etwas Mut - eventuell zu „Tätern“ avancieren? Können wir uns der Vorstellung nähern, WIR seien es, die diese drei Größen bewegen? Die Einen können das schon recht gut, die Anderen glauben noch nicht recht daran. 

Materie (?)

Der menschliche Verstand hat also alle Macht den scheinbar außerhalb seiner selbst liegenden Kräften überlassen und es kommt für die Meisten nahezu einer Transformation gleich, sich den Erkenntnissen der Physik zu öffnen.

Es klingt zunächst einfach: Raum ist das, was zwischen allen Materie-Anteilen liegt; Materie ist das, was nicht selbst Raum ist.
Aber dann stellt sich plötzlich heraus - und dazu gleich mehr -: Materie besteht hauptsächlich aus Raum. Und obendrein: Sie selbst ist nicht mehr und nicht weniger als eine Idee, geformt zu einem Hologramm.
Diese Behauptungen basieren auf der erwiesenen Tatsache, dass ein Atom wenigstenteils aus festen Anteilen und größtenteils scheinbar leerem Raum besteht, denn wenn wir einen Atomkern auf Erbsengröße vergrößerten, wären seine ihn umkreisenden Elektronen 170 m weit von ihm entfernt. Wenn wir in die Mitte eines Fußballfeldes ein Reiskorn legen und auf den entferntesten Rang des Stadions ein Sandkorn, haben wir in etwa die räumlichen Verhältnisse eines Atoms mit seinen Elektronen wiedergegeben. Und auch der Atomkern selbst ist keineswegs massiv, die Protonen und Neutronen in seinem Inneren (und ebenso die Quarks, aus denen wiederum diese bestehen) haben Raum im Überfluss.
Was aber tut sich dann zwischen Atomkern und Elektron? Was hindert das Atom am Auseinanderfallen? Ein Elektron umkreist seinen Kern in nur einer Sekunde Billionen Male, und doch hindert seine Fliehkraft es nicht daran, bei ihm zu bleiben.
Es ist eine Art Bindungsenergie am Werk. Es sind Bindungen aus purer Information, aus den Energien einer sich 
selbst immer wieder neu erschaffenden Idee. Das ist Alles. Nicht die Materie lenkt die Welt, sondern der Raum darin und dazwischen, und er folgt reinem Bewusstsein.

Das allein reicht eigentlich aus, um unser Leben nie wieder so betrachten zu können, wie wir es eben noch taten – mal vorausgesetzt, unser Verstand und unser Ego unterstützen uns wider Erwarten beim Innehalten bei dieser Einsicht. Aber es geht noch weiter:

Die Launen der Elektronen

Im Doppelspalt-Experiment fanden Physiker heraus, dass Elektronen beeinflussbar sind. Hierzu vorab eine Schilderung*:

Wenn wir eine Platte mit zwei senkrechten Spalten vor eine Wand stellen und sie dann von unserem Standort aus mit Teilchen, z.B. kleinen Bällen, bewerfen, ergeben die Abdrücke der Bälle auf der Wand hinter den Spalten irgendwann ein Muster von zwei Streifen.

Schicken wir hingegen von einem Punkt aus Wellen (Wasser-, Schall- oder elektromagnetische Wellen) durch eine Platte mit zwei Spalten, dann trennen sie sich beim Durchfließen der beiden Spalten in zwei Strömungen, fließen dahinter wieder ineinander und bilden ein Überlagerungsmuster. Verbildlicht man den Wellendruck auf den Bereichen der Wand dahinter, ergeben sich dort nun mehrere Streifen, wobei der mittlere am breitesten ist.

betrachtungen/raum-und-zeit/interferenz2.JPG (22.03.2013)

Einige Physiker stellten im Zuge einiger Studien ein Gerät auf, das einzelne Elektronen, eines nach dem anderen, auf eine Platte mit nur einem Spalt schoss. Elektronen sind Teilchen und wie man es von Teilchen erwarten darf, hinterließen die Elektronen auf der Wand dahinter einen Streifen.
Die Physiker stellten nun eine Platte mit zwei Spalten auf und schossen wieder einzelne Elektronen hindurch. Und weil Elektronen Teilchen sind, sollten sie gemäß den physikalischen Gesetzen nun hinter einer Platte mit zwei Spalten zwei Streifen bilden. Sie taten es aber nicht. Sie bildeten hinter den Spalten ein Überlagerungsmuster, wie Wellen es machen!

Dass Elektronen sich das eine Mal wie Teilchen und ein anderes Mal wie Wellen verhalten, ist überraschend, aber das ist noch nicht alles: 
Da ja Wasser- oder Schallwellen so ein Muster nur deshalb erzeugen können, weil sie sich an der Platte mit dem Doppelspalt teilen und diese zwei Strömungen dahinter wieder ineinander fließen und miteinander interagieren, fragt sich doch „was tun dann die Elektronen da?“. Sie sind keine Wellen und sie wurden außerdem immer nur einzeln abgeschossen, es gibt also keine Flugbahnen von anderen Elektronen, mit denen sie sich hätten überlagern können, um solch ein Muster zu bilden. Sie sind allein, aber dennoch hinterlassen sie Abdrücke wie zusammentreffende Wellen, und das zu allem Überfluss an Stellen, an die sie mit einer geraden Flugbahn, der Bahn eines Projektils, gar nicht hätten gelangen können. Und selbst wenn ihre Flugbahn vielleicht nicht ganz gerade sein sollte, verwundert es wiederum, warum sich ein so ordentliches Muster auf der Wand bildet und keine willkürlichen Abdrücke.

betrachtungen/raum-und-zeit/TN_interferenzpfeil2.jpg (22.03.2013)Dies erlaubte den versierten Gelehrten nur eine Schlussfolgerung: Ein Elektron kann an zwei Stellen gleichzeitig sein oder seine Bahn verlassen oder sogar beides. Sonst wäre es ihm nicht möglich, sich so zu verhalten, und könnte selbst mit Tausenden seiner Art unter keinen Umständen ein Interferenzmuster bilden (roter Pfeil: wie sollten die Teilchensonst dort hingelangen, ohne die Platte zwischen den Spalten zu durchdringen?).

Doch die Welt der Elektronen hat noch eine weitere Überraschung parat. Die Verblüffung hat die Forscher zu einem weiteren Versuch veranlasst. Da sie jetzt herausfinden wollten, was die Elektronen taten, bevor sie den Spalt passierten, stellten sie ein Messgerät auf, das ihre Aktivität diesseits der Wand, vor den Spalten „beobachten“ sollte.

Was sie nicht erwarteten war, dass die Elektronen sich nun sofort wieder wie ordentliche Teilchen benahmen und hinter dem Schirm die zwei Streifen hinterließen, die der Mensch von Anfang an erwartet hatte. Ihr Benehmen als Welle gehörte plötzlich der Vergangenheit an – bis dieses Messgerät wieder entfernt wurde, sie also wieder unbeobachtet waren!
Es klingt verrückt, doch haben die Elektronen aufgrund der Tatsache, dass sie getestet wurden, eine neue Entscheidung getroffen? Wurde nur das Endergebnis ihrer Bewegung betrachtet, benahmen sie sich wie Wellen. Wurde aber ihr Verhalten geprüft, verhielten sie sich wie Teilchen ... so wie der Mensch sich das vorgestellt hatte.

 

                                                    

Autorin: Yvonne Mohr, http://www.lichtderwelten.de/index.php/betrachtungen/raum-zeit-materie

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* Abbildungen aus bearbeitetem Internet-Material