Raum / Zeit / Materie  I   II   III   IV

 

Die „Realität“?

Resümieren wir also, dass Raum das ist, was sich zwischen Materieteilen befindet, und dass die Materie der gesamten Welt vor allem aus Informationsfeldern zwischen sehr weit auseinander liegenden Teilchen besteht, die wiederum unter Beobachtung sich anders benehmen als sie es normalerweise tun.
Was bedeutet das nun für meine Realität? Was ist mit dem Tisch hier vor mir, was ist mit ... meinen Händen? Das heißt ja, dass es nichts gibt, was wir wirklich anfassen können oder mit dem wir etwas anfassen können! Hand und Gegenstand sind die aufeinander stoßenden Informations- und Spannungs-Felder relativ weniger organisierter Teilchen. Und da die Elektronen so weit auseinander liegende, unglaublich winzige, einzelne Partikelchen sind, die pausenlos 
ein riesiges Gebiet abfliegen, können wir noch nicht einmal sicher sein, dass sie gerade da sind, wo wir sie vermuten. Sie sind mit ihrer unvorstellbaren Geschwindigkeit allerdings ohnehin so schnell, als wären sie überall gleichzeitig.
Wenn wir m
it unserer Hand etwas ertasten, entdecken wir in Wirklichkeit einfach nur, dass wir gegen eine andere Information, eine andere Existenz gestoßen sind. Und an deren Oberfläche geht es für unsere Hand offenbar nicht weiter, und das stimmt auch. Unsere Hand ist ein Feld, das nicht unser Tisch ist, und die Informationen der Beiden sind zunächst inkompatibel. Was für ein Glück! Wir setzen voraus, dass wir dort nicht durchkommen, und belassen es dabei. Für uns eine sehr alltagstaugliche Einstellung.
Andererseits: könnten wir die Atome und Elektronen in unserer Hand deutlich wahrnehmen und geschickt lenken, dann könnten wir es arrangieren, dass unsere Atome die Atome z.B. einer Wand einfach passieren, so wie all die entgegenkommenden Fußgänger in einem belebten Einkaufszentrum es täglich miteinander tun. Doch weil wir komplizierten Umständen wie Raum und Zeit – wie wir sie einschätzen – eine solche Macht einräumen und darüber hinaus tagein, tagaus unsere gesamte Aufmerksamkeit vollkommen unwichtigen Dingen schenken und uns für sie erschöpfen, gelangt eine so filigrane Unternehmung gar nicht erst in den Bereich des Möglichen. Wir sind überfordert, kaum dass wir über solch eine Idee auch nur nachdenken.

Erscheint uns der typische Wissenschaftler, der altbekannte „zerstreute Professor“, deshalb so weltfremd? Oder ist er das genaue Gegenteil? Denn es gibt nur wenige Menschen, die sich in beiden Realitäten mühelos bewegen können.
Das Wahrnehmen der Zellen des Körpers, ja, der Atome, ist durchaus möglich, erfordert aber für den Moment eine völlige Abkehr von allem was ich „weiß“ und eine bedingungslose Hingabe allem gegenüber, was „sein kann“, einschließlich der Frage, ob es mich als Person gibt. Wir müssen alles vergessen, worauf die gesamte Wahrnehmung unseres Daseins sich gründet, und uns öffnen für eine Realität, in der uns nichts auch nur den geringsten Halt bietet – außer uns selbst.
Es gibt Menschen, die entgegen allen biochemischen Gesetzen jahrelang nichts essen oder trinken. Sie brauchen diese Hilfsmittel nicht, denn ihre Körper gehorchen einem anderen Wissen, anderen Informationen. 

Raum ist Relation

Es gibt noch mehr Interessantes vom „Raum“ zu erzählen. Er wird z.B. definiert in Dimensionen*

Es beginnt mit einem Punkt: ein „Ist“ ohne jegliche Dimensionen. 
betrachtungen/raum-und-zeit/TN_dimensionen.jpg (22.03.2013)Wir verdoppeln ihn und verbinden ihn und sein Gegenstück durch eine Linie (stellen die beiden Punkte in Relation zueinander, erschaffen eine Relativität). Die erste Dimension ist entstanden und mit ihr die Begriffe „hier“ und „dort“.
Die zweite Dimension entsteht durch die Verdoppelung dieser Linie, und auch hier wiederum ihre Verbindung miteinander. Die Sprache erweitert sich u.a. um die Worte „hinter“, „vor“ und „neben“. 
Die dritte Dimension bildet sich durch die Verdoppelung dieser so entstandenen Fläche. Ein Raum ist geschaffen und damit die Trennung in „innen“, „außen“, „oben“ und „unten“.
Die vierte Dimension nun entsteht durch die Verdoppelung des so gebildeten Raumes und die Verbindung der beiden – „hier drinnen“ und „da drinnen“ und „beides gleich-zeitig“...
Über die fünfte Dimension kann ich nur sagen, dass ich darin 
ein „Fühlen, dass Alles ist“, "dass Alles gleich-Zeit-ig ist" und "dass Alles kommuniziert" empfinde.  

Zeit ist ein Raum

Mit dem obigen Schema der 4. und 5. Dimensionen geht ein Ahnen einher, wie die Wissenschaft dereinst zu der Auffassung gelangte, diese Dimensionen haben etwas mit Zeit zu tun... Ich denke an Einstein, der infolge seiner Forschungen und Erkenntnisse schon damals äußerte, mit Raum und Zeit verhalte es sich nicht so wie wir meinen. In der heutigen gehobenen Physik überrascht es niemanden mehr, wenn gesagt wird, es gebe mehrere Wirklichkeiten nebeneinander.
Doch für Menschen es ist eine Sache, ob wir die Physik verstehen, und noch einmal eine andere Sache, ob wir uns all das verinnerlichen und es dann
 jederzeit abrufen können - von unserem inzwischen heftig rebellierenden Ego und Verstand gestört, die in diesen turbulenten Zeiten zu verleugnen versuchen, dass eine Um-Ordnung ihres innig bis verzweifelt geliebten Weltbildes nicht nur unmittelbar bevorsteht, sondern bereits intensiv im Gange ist. Und es ist wiederum eine völlig andere Sache, wie geschmeidig wir diese Erkenntnisse dann in unseren Alltag übernehmen.

Doch selbst wenn ich diese Fakten nicht aus der Wissenschaft direkt in meinen Alltag übernehme, kann ich diese Erkenntnisse immerhin als Einladung nehmen, alles für möglich zu halten und mich allem Sein unvoreingenommen zu öffnen. Ich kann mich - so geduldig mit mir selbst wie möglich - daran annähern, mich nur dem puren Sein einzig dieses Augenblickes und erst dann des nächsten hinzugeben, so sehr es mir eben gelingt. Und möglichst wenig als gegeben hinnehmen. Albert Einstein: „Wenn du ein wirklicher Wissenschaftler werden willst, dann denke wenigstens eine halbe Stunde am Tag das Gegenteil von dem, was deine Kollegen denken“.
Er selbst ging, um ein Beispiel zu nennen, mit der Zeit eher lakonisch um (wie mit seiner Wäsche: „Wozu Socken, sie machen nur Löcher“). Er sagte einfach „Zeit ist das was man von der Uhr abliest“. Und er hat selbstredend recht: etwas anderes ist sie nicht. Sein Freund John Archibald Wheeler sagte: „Zeit ist das, was verhindert, dass alles auf einmal passiert“. Nehmen wir also das, was wir für "Zeit" halten, das Ablesbare, das Sortierbare, doch einfach als Geschenk, als eine beruhigende Dreingabe zur ohnehin verwirrenden Inkarnation, die zunächst vieles unendlich einfacher für uns macht.

Doch dies bleibt: was wir für "Zeit" halten, gibt es nicht. Zeit "verläuft" nicht. Sie ist ein Raum, in dem wir uns bewegen, und in dem alles vorhanden ist, was es gibt, je gegeben "hat" und je geben "wird". 

Zeit in der dritten Dimension

"Raum" und "Zeit", wie wir sie verstehen, setzen also angenehmerweise zwar Dinge und Geschehnisse zueinander in Relation, sind dabei selbst tatsächlich jedoch ebenfalls äußerst relativ.
Die "Zeit" vergeht nachweislich in einem Raum, der sich rasch vorwärts bewegt, langsamer als an einem stehenden Ort - dies lässt sich mit einem entsprechenden Zeitmesser schon auf einem einfachen Passagier-Langstreckenflug nachweisen. Schon allein darum kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass unsere gute alte „Zeit“ das ist, für das wir sie hielten. Sie war - jedenfalls für mich - früher unter keinen Umständen etwas, das sich relativieren oder sonst wie beeindrucken oder gar beeinflussen lässt.

Vor dem Urknall gab es nichts, das die physikalische Definition oder Messung von Raum oder von Ereignisabläufen nötig oder auch nur möglich machte. Da gab es nichts, das sich zu der Erschaffung von Relativität oder ihrer Anwendung geeignet hätte. Das Universum, und damit auch Raum und Zeit, entstand ja erst im Urknall, dieser unglaublichen Explosion von nichts als Nichts, die alles was uns umgibt und was unsere Körper ausmacht, geboren hat -  und die bis heute Nachwehen hat: es ist erwiesen, dass das All sich seitdem noch immer ausdehnt. Mit anderen Worten: der Raum expandiert, und die Zeit, die etwas ist, das sich zwischen Räumen spannt, ebenfalls. Wenn der Weltraum also in Bewegung ist, sich ununterbrochen verändert, muss davon ausgegangen werden, dass die Zeit vor hundert Jahren nicht das gleiche war wie das, was sie in hundert Jahren sein wird.

Fazit: Der Welt-Raum dehnt sich langsam aber beständig aus und die Zeit ist auch nicht mehr das, was sie mal war. War sie für uns noch vor 30 Minuten einfach nur eine Möglichkeit, dem Ablauf der alltäglichen Dinge eine Reihenfolge zu verleihen, erscheint auch sie jetzt so wenig greifbar wie Materie und Raum.

 

Autorin: Yvonne Mohr, http://www.lichtderwelten.de/index.php/betrachtungen/raum-zeit-materie-ll

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* Abbildung: Wikipedia