Raum / Zeit / Materie  I   II   III   IV

 


Schwarze Löcher

Viele Hoch-Interessierte haben sich dem Rätsel des Universums gewidmet und tun es bis heute: Einstein, Wheelers, Feynman, Thorne und Hawking, um nur ein paar wenige von ihnen zu nennen. Die Physik geht heute völlig selbstverständlich von der Krümmbarkeit von Raum, Zeit und Licht aus.
Betrachten wir allein die Erkenntnisse über die faszinierenden „Schwarzen Löcher“. Sie verursachen uns den allergrößten Respekt und doch sind sie verständlich erklärbar:
Jeder Atomkern, und damit absolut jede Materie, hat eine Anziehungskraft. Wir denken meist nur an die Anziehungskraft der Erde oder eines Magneten, doch sie findet sich bei jedem noch so kleinen Gegenstand. Sie wird lediglich meist von der enormen Kraft der Erde überboten wie das Licht einer Kerze, die in der Sonne steht.
Ein Stern hat bedeutend mehr Atome als unsere Erde und aufgrund seiner Masse eine wahrhaft beeindruckende Anziehungskraft. Sie geht von seinen Atomkernen aus, und auch diese selbst sind unausweichlich untereinander ihrer anziehenden Kraft ausgesetzt. Ein ungeheurer Druck wirkt ununterbrochen auf die Atomkerne eines Sterns, sie ballen sich so kraftvoll zusammen, dass es sogar zu Fusionen kommt. Diese Fusionen jedoch setzen enorme Hitze frei, die wiederum zu einer Ausdehnung führt, so dass die Größe des Sterns durch die Kompression nicht abnimmt. Aus seiner eigenen Hitzeproduktion bezieht er also seine Lebensgarantie, und da die Kerne in einem Stern unaufhörlich fusionieren, ändert sich daran erst einmal nichts. Doch irgendwann, wenn es zu keinen weiteren Fusionen mehr kommen kann, baut diese Wärme ab, denn auch ein Stern ist - rein physikalisch gesehen - kein Perpetuum Mobile. Die Folge ist nun endgültig die Kompression und damit die Verdichtung der Atome: sie pressen sich auf einen immer kleineren Raum zusammen, so dass sich ihre ganze ungeheure Gravitationskraft immer noch mehr konzentriert. Diese Anziehungskraft geht irgendwann sogar so weit, dass selbst das Licht, das von diesem Stern erzeugt wird, nicht mehr entkommen kann: Der Stern verschluckt seine eigenen Strahlen. Das Ganze führt dazu, dass der Stern sich selbst absorbiert und seine Kraft alles um ihn herum in ihren Bann zieht und nicht mehr loslässt. Ein Schwarzes Loch ist entstanden, dessen Licht nicht mehr austreten kann und von uns daher nicht wahrgenommen wird. Was auch immer sich fortan diesem „ehemaligen“ Stern nähert, wird von seinem gigantischen Sog erfasst und ihm einverleibt, Materie, Raum, Zeit und Licht. Es gibt nun eine Dimension „jenseits“ dieses Sterns und dorthin „verliert“ sich alles, was an Raum, Zeit und Licht in seine Nähe kommt. Aus der Ferne betrachtet können wir dies nur noch als etwas Schwarzes erkennen, denn das Licht des Sterns müsste ihm erst entrinnen können, um ihn für unser Auge wahrnehmbar zu machen. Alles was dem Stern nicht ganz nahe genug kommt, um von ihm für immer erfasst zu werden, wird mindestens einen immensen Sog abbekommen: Das Netz der Raumzeit wird verzogen, gekrümmt, verbogen, und so auch das damit verbundene Zeitgefüge.

Raum und Zeit...

...können also bewegt und verschoben werden. Ein jeder Stern verzerrt mit seiner Masse und der damit einhergehenden Energie den Raum und damit auch die Zeit um sich herum, und die Zeit „verläuft“ in der Nähe so großer Massen langsamer. Je größer die Geschwindigkeit eines Raumes oder die Masse eines Sternes ist, desto mehr büßt die dort herrschende Zeit an Geschwindigkeit ein. Wenn wir ein Wettrennen veranstalten, dann fliegt die Landschaft an uns vorüber, doch unsere Mitlaufenden wirken in Relation zu uns, als liefen sie auf der Stelle. Oder wie Andreas Campobasso es in „Das Prinzip“ ausdrückt: „Wenn die Zeit langsamer vergeht, sobald wir uns schneller bewegen, verhält es sich - bildlich gesprochen - offenbar wie auf einer Autobahn: wenn ich am Rand stehe, sehe ich nur Raser, wenn ich aber mit 80 km/h mitfahre, sehe ich überholende Autos. Und wenn ich mit 180 km/h auf der linken Spur fahre, sehe ich nur Hindernisse.“

Isaac Newton ging in seinem 17. Jahrhundert noch davon aus, dass Raum und Zeit einfach den unbeeindruckten Hintergrund für alles Geschehen in unserem Universum bilden. Die Zeit hatte es nach Ansicht Newtons schon immer gegeben, und er glaubte, nichts wäre in der Lage, daran etwas zu ändern. Der Raum wiederum sei selbstverständlich von ihr getrennt zu betrachten. Damals war es für die meisten Menschen außerdem eine feststehende Tatsache, dass das Universum erst wenige tausend Jahre zuvor genau so erschaffen worden sei, wie es jetzt existiere. Immanuel Kant jedoch fragte sich: „Wenn das Universum tatsächlich mit einem Mal erschaffen wurde, warum dann diese unendliche Wartezeit vor der Schöpfung? Oder aber: wenn es schon ewig existiert, warum ist dann nicht alles, was geschehen könnte, bereits geschehen und die Geschichte längst zu Ende?“ (veränderter Auszug aus Hawkings „Universum in der Nussschale“). Und warum hat das Universum in all der Zeit noch nicht einmal ein thermisches Gleichgewicht erreicht?

Hatte das Universum jedoch im Urknall seinen zündenden Anfang (mal abgesehen von einem Ende), in dem Raum, Zeit und Materie erschaffen wurden, dann ist all dies, was wir mit unseren Sinnen erfassen können, ein überwältigender Film, sonst nichts. Denn das Leben lässt sich einfach nicht mit einer rationalen Wissenschaft erfassen, so sehr sie sich auch bemüht, und Raum und Zeit sind ganz offenbar seine Spielbälle, mit denen es die Masse in Bewegung hält, wie es ihm gerade gefällt.

Während ich das hier schreibe, drängt sich immer mehr die Frage in den Vordergrund, wo Gott in alledem eigentlich ist. Es ist sein zweites Meisterstück (das erste war für mich das 'Erschaffen' von Leben), das wir hier besiedeln: Sein Raum, seine Zeit, sein ganzer Kram, sein Film, geschaffen aus sich selbst!

Aber "was hat Gott eigentlich gemacht, bevor er das alles erschuf?"

Hier komme ich wieder mit Sachen aus Hawkings Buch, wo der heilige Augustinus erwähnt wird, der angesichts der Blasphemie dieser Frage eindringlich mahnte, man solle darüber keine Witze machen, dann aber hinterhersetzte, Gott habe vorher die Hölle für diejenigen geschaffen, die solche Fragen stellen - auch er konnte seine Gedanken offenbar nicht so ganz im Zaum halten 😊. Er beantwortete die Frage für sich folgendermaßen: Er glaubte Gott habe, bevor er Himmel und Erde erschuf, gar nichts getan.
Um an dieser Stelle noch einmal auf das zurückzukommen, was Zeit tatsächlich ist: Es gibt keine Vergangen-heit und keine Zu-kunft. Alles geschieht im Jetzt. Doch mit solchen für so manche Physik-Interessierte eher unpassenden Feststellungen will nicht jeder sich an dieser Stelle befassen. Also komme ich wieder auf das eigentliche Thema. Nur - ich möchte mal sagen, Gott kommt mir hier daher wie Urlaub. Gott ist Erholung, denn ... Schon gut, wo waren wir stehen geblieben?

Zeiten

Nicht nur, dass die meisten Physiker nur noch unbeeindruckt mit dem Kopf nicken, wenn erwähnt wird, Zeit sei relativ, veränderbar, endlich und launisch: es wird gemunkelt, sie sei nicht einmal allein!
Es gebe mehr als einen Zeitstrang. Es gebe sogar unendlich viele, und sie seien miteinander verknüpft.

Nur ein Film...

Wenn unendlich viele Zeitstränge parallel zueinander existieren und wir uns darin vorwärts bewegen, dann ist auch dieser Film hier längst abgedreht worden. Er läuft und läuft und währt unendlich. Und es sind unendlich verschiedene Filme gleichzeitig in ihm vereint. Es heißt, jede einzelne nur mögliche Variante eines jeden nur möglichen Daseins, Geschehens, Handgriffes und Geräusches sei bereits als Aufnahme vorhanden und werde in jedem Bruchteil einer Sekunde neu abgerufen. Es sind also endlos viele Kanäle der Zeit, durch was wir uns hier bewegen.
„Richard Feynman“, so Hawking, „schlug die Hypothese vor, dass Teilchen auf ihrem Weg von einem Ort des Universums zum anderen jeder möglichen Bahn durch die Raumzeit folgen, mit anderen Worten: jede irgend mögliche Geschichte durchleben.“ So kommen wir an den Punkt, an dem wir begreifen, dass alles gleichzeitig in einem unendlich langen, unsagbar kurzen Moment geschieht. Es ist die imaginäre Zeit, in der wir uns bewegen, und sie ist einfach eine von vielen Raumrichtungen.
Andreas Campobasso („Das Prinzip“): „Zeit verändert sich nicht, obwohl alle Dinge sich mit der Zeit verändern. Denn Zeit ist eine Kraft, die Ereignisse getrennt hält, jedes an seinem Platz. Zeit ist nicht in Bewegung aber Du bewegst Dich durch die Zeit, weil sich Dein Bewusstsein von einem Ereignis zum anderen bewegt.“

 

 

Autorin: Yvonne Mohr, http://www.lichtderwelten.de/index.php/betrachtungen/raum-zeit-materie-lll

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