Raum / Zeit / Materie  I   II   III   IV

 

 
Das Universum

Das Universum, wie Physiker es verstehen, ist endlich und es wird spekuliert, was sich jenseits seiner Grenzen befindet. Es gibt drei führende wissenschaftliche Theorien darüber und zu denen gehört u.a., dass die Grenze des Universums einfach ein bestimmter Ort in Raum und Zeit ist. Doch dann könnte man einfach darüber hinausgehen und die Gebiete dahinter immer weiter als Fortsetzung eben dieses Universums deklarieren.

(Übrigens bedeutet das Wort "Universum" "das-Eine-in-sich-selbst-gewendet", und wenn wir hier auch eigentlich physikalisch vorgehen wollen, kann ich mir dennoch nicht die Anmerkung verkneifen, dass das Universum m.E. ein ebensolcher Raum ist wie die Zeit: Alles-ist-gleichzeitig-hier. Es wäre etwas engstirnig, von nur drei Dimensionen auszugehen, wenn man das Universum räumlich definieren will.)

Dass die Grenze einfach ein Riss ist, an dem sich alles staut, finde ich ebenso absurd wie die Vorstellung, das All sei in sich bündig wie die Erdoberfläche.
Nachdem ich mich mit dem Thema befasst und vorher, dabei und danach vieles begriffen habe, kann es für mich nur eine Möglichkeit geben, dass nämlich der Begriff „Universum“ einfach ein Synonym für „Ort des Geschehens“ ist. Jenseits seiner Grenzen geschieht meines Erachtens nichts, was wir aus unserem materiellen, polarisierten Bewusstsein heraus begreifen könnten, und dahinter dann findet sich vermutlich das nächste Universum. Lasse ich mich aber auf all die Erkenntnisse und Erfahrungen ein, die ich im Laufe meines recht aufmerksamen Lebens gewonnen habe, ohne sie dauernd mit meinen unbeholfenen sechs Sinnen erfassen zu wollen, dann bin ich mir für mich recht sicher, dass außerhalb des Universums (bzw. zwischen den Universen) noch immer die gleiche Situation herrscht wie vor dem Urknall, denn diese Situation ist uns auch hier und jetzt, an unserer Seite, vor, über, unter, hinter und in uns erhalten geblieben: Die Sphäre zwischen den Teilchen, die wir Raum nennen. Im Großen wie im Kleinen. Ein Universum in einem Universum, das von einem Universum umgeben ist. Unglaublich viel Raum, gefüllt mit unglaublich vielen Ideen.
Raum und Zeit sind keine Illusion, doch auch keine verbindlichen Größen.
So sicher wie Materie 'nur' die Kraft einer Idee von einem schöpferischen Bewusstsein ist und aus ein paar winzigen Teilchen und jeder Menge Bindungsenergie besteht, so sicher lässt sich diese Bindungsenergie für unsere Zwecke gebrauchen, wie wir es immer getan haben. Daran ändert sich nichts. Es sei denn wir ändern etwas daran: das Universum expandiert, und unsere Welt, mitsamt Raum und Zeit, expandiert und wartet darauf, von uns im vollen Umfang genutzt zu werden.


Gott und die Welt

Die Situation vor dem Urknall oder auch außerhalb unseres Universums nennen wir „Nichts“. Doch dieses sogenannte „Nichts“ war oder ist im Endeffekt „Alles“, und das, was wir hier um uns herum für „Alles“ halten, ist dagegen Nichts. Aber es ist nichtsdestoweniger unser ...

...Hauptfilm

Der allergrößte Teil der Menschheit sitzt im Grunde im Kino und sieht sich die Werbung und Vorfilme an und die Meisten sind noch vor Beginn des Hauptfilmes wieder draußen und gehen in den nächsten Kinosaal, um sich auch dort die Werbung und die Vorfilme anzusehen. Und das ist genau, was uns ausmacht. Wir Menschen haben einen so spannenden, ständig wechselnden Werbespot am Laufen (es erinnert mich an die Treppen bei Harry Potter, die dauernd die Richtung wechseln), dass der Hauptfilm immer wieder nur eine kurze Episode, eine vorübergehende Einkehr, eine Verschnaufpause ist, bevor wir uns wieder ins Getümmel stürzen. Schade ist keineswegs, dass wir das „Nichts“ mit dem „Alles“ verwechseln, schade ist einfach nur – und das so sehr, dass es unendlich schmerzt -, dass so Viele von uns im Vorfilm vor die Hunde gehen, weil ihnen nie jemand gesagt hat, dass alles gut sein wird.

Der Werbefilm ist das, was wir tagtäglich tun, denken, fühlen und glauben - das, wofür wir uns aufreiben, wofür wir alles geben, alles weggeben. Er ist das, was wir für den Hauptfilm halten, er besetzt, bestimmt, beherrscht und lenkt uns: er ist unser Alltag.
Der Hauptfilm ist die Einkehr in das, worum es in Wirklichkeit geht. Er ist das, was hinter den Kulissen und überall außerhalb des Filmtheaters stattfindet. Er ist, was in Wirklichkeit seit Urzeiten vor sich geht und niemals versiegen kann. Er findet dort statt, wo es keinen Mangel, keine Leere und keine Ängste gibt. Dort wo er stattfindet, ist jeder in sich stabil, satt, selbstbewusst und im allerhöchsten Maße schöpferisch.
Dort wo die unermüdliche Werbung in den Hauptfilm wechselt, gehen wir wie durch eine Tür, und in dieser Tür liegt ein Fußabtreter, der alles festhält, was in den Hauptfilm nicht reingehört. Und auf diesem Fußabtreter liegen nicht etwa nur Dreckklumpen. Dort stehen ganze Schuhe! Paarweise Schuhe, Stiefel, Latschen, all das Schuhwerk das wir uns im Laufe unglaublich langer Zeit angezogen haben.
Eine Frage übrigens: weißt Du, wie Deine nackten Füße genau aussehen, oder noch besser: wie sie sich anfühlen? Bist Du sicher, dass sie überhaupt da sind? Kannst Du Deine Füße mit geschlossenen Augen finden, ohne dass Du sie mit irgendetwas berührst? Von innen heraus sicher sein, dass sie da sind? Wenn Du das schaffst, wenn Du Deine Hände und Füße und was sonst noch Deinen Körper ausmacht (vor allem Deinen Brustkorb), finden kannst, ohne dass Du sie bewegst, anfasst oder ansiehst, dann kannst Du davon ausgehen, dass für Dich - noch zu Lebzeiten - der Hauptfilm begonnen hat.
Eine ähnliche Betrachtung: wenn Du Dir vorstellst, Du hättest Dein Gedächtnis verloren, es sei gerade dunkel, und Du könntest Dich nicht anschauen, und Du spürst einfach dem nach, was Du gerade bist, wer Du zu sein fühlst – dann weißt Du, wer Du Mensch wirklich bist. Nicht Dein Gehirn, nicht Deine Persönlichkeit, nicht Dein Körper. Einfach „Du“.

Betrachte ich die Zeit, ...

..., die ganz einfache, auf der Uhr sichtbare und auf dem Kalender ablesbare Zeit - ihre vergangene Spanne und ihre kommende, zwischen denen sich die Gegenwart sofort wieder verliert, kaum dass sie entstanden ist – so habe ich unzählige Male erlebt, wie sie mir mit ihrer Dringlichkeit den Atem nahm, mir den Augenblick stahl und oft genug alles vergehen ließ, was mir lieb war.
Bewege ich mich aber einmal in nur diesem einen Augenblick, der eben jetzt stattfindet, ungeachtet dessen, was war und was sein wird, und lasse ich mich wirklich auf ihn ein, begrüße ihn vorurteilslos und urteilslos - was auch immer er mir mitbringt -, dann weiß ich, dass es keine Zeit gibt. Es gibt mich und meine Ewigkeit, Dich und Deine Ewigkeit, diesen einen Moment für immer, und den nächsten auch. Wer je diesen einen Augenblick erlebt hat, der hat es entdeckt: das unerschütterliche, zeitlos ewige „Jetzt“. Und doch ist das Menschsein eine Reise durch die Möglichkeiten, ein herrlicher Spielfilm, von dem wir nur wissen müssen, dass er nach unserem Ermessen verläuft, und nicht willkürlich, grausam und unabhängig von uns.

Polarität

Es kann in unserer Epoche nicht mehr davon ausgegangen werden, dass etwas getan werden oder erreicht werden muss. Es geht um lebendiges Sein statt Tun. Etwas tun oder tun müssen, etwas erreichen oder erreichen müssen ist ein Teil des Polaritätsbewusstseins, das uns Menschen bestimmt. Wir bewegen uns darin in jeder Hinsicht, in jedem Moment, in jedem Gefühl, in jedem Problem von A nach B - egal was wir tun, immer ist es zielgerichtet, an äußeren Strukturen festgemacht. Es gibt für uns immer, immer und immer wieder irgendetwas, was noch erreicht werden muss, und darin verlieren wir uns. Doch wir sind dabei, diese Polaritäten zu verlassen, die Konzepte und die gesamte Struktur von Gut und Böse, von Erstrebenswert und Abschaffungswürdig aufzulösen, weil sie unerträglich geworden sind.
Und das ist gut so. Wir werden verweilen und sein.
Es gibt zwischen zwei Extremen immer eine dritte Zone: heiß, kalt, warm - oben, unten, Mitte -Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart - vorhin, nachher, jetzt - hart, weich, sanft - Mann, Frau, Kind.
Die dritte Variante ist meist die faszinierendere aber auch beunruhigendere, jene, die sich nicht sterilisieren lässt. Sie ist es, die das Leben ausmacht, denn es bewegt sich selten so hart am Rande, dass wir mit zwei Dimensionen auskommen. Die dritte beherbergt unsere Realität. Die vierte unser Leben! Doch um welchen Preis gehen wir dagegen an! Ein Mann ist männlich. Alle anderen sind Weichlinge. Eine Frau ist weiblich. Alle anderen sind Emanzen. Die Vergangenheit hat uns geprägt. Sonst sind wir ignorant. Die Zukunft ist unser Ziel, sonst sind wir verantwortungslos. Das Wetter ist heiß oder kalt, sonst „können wir nicht klagen“.
Wir alle müssen nach „oben“ (eine steile Karriere, ein tolles Aussehen, gute Noten, Besitz, Ordentlichkeit, eine gute Mutter), und dann müssen wir vor allem dort bleiben, sonst sind wir schnell wieder ganz unten.
Warum soll ich mich nicht einfach mal dazwischen bewegen und so benehmen, wie ich bin? Warum? Weil dann ich selbst entscheiden muss, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Weil es sich kompliziert anfühlt, wenn wir uns nicht mehr an die guten alten Konventionen halten können, sondern ein eigenes Muster weben müssen. Weil dann über uns gerichtet werden kann. Vorher ist alles in Ordnung – und wir halbtot. Dann kommt eine vorübergehende Unordnung und dann eine anfangs fast unbegreifliche Lebendigkeit.

Gegenwart

Was ist verkehrt an der Gegenwart?
„Eben habe ich dies und jenes gemacht, und jetzt bin ich auf dem Weg in die nächste Stunde.“
Das ist alles, was das „Jetzt“ für uns darstellt. Das Sprungbrett in die nächste Stunde.
Das „Jetzt“ beinhaltet Uns! Jeden Einzelnen für sich. Das ist es, was uns beunruhigt. Es beherbergt unsere Existenz. Keine Erinnerung oder Vorausschau, sondern nackte Tatsachen.

Lebe

Wir werden uns mit ziemlicher Sicherheit von der Polarität verabschieden und entdecken, dass alles gut ist, wie es ist. Dass wir bisher in allem nur entweder etwas Schlechtes gesehen haben, das wir weghaben wollen, oder aber etwas Gutes, das wir leicht wieder verlieren könnten. Wir übersehen das Leben und verlieren uns in Angst und Zweifel, weil wir ansonsten nichts mehr haben. Weil alles wackelt, weil die Welt um uns herum an Stabilität verliert.
Denn selbst uns gibt es doch nicht mehr wirklich, und auf die Anderen ist kein Verlass. Das erzeugt Angst. Es ist Existenzangst, denn wir glauben nicht mehr an unsere bedingungslose Existenz, sondern machen sie von äußeren Umständen abhängig (Beruf, Geld, Nahrung, Haus, Auto). Spüren wir jedoch, dass es uns selbst wieder gibt, dann löst sich die Angst auf, dann kann uns nichts mehr passieren, dann verschwindet der Glaube an Mangel, Zweifel, Heilen müssen und „ich kann das nicht“.
Finanzsysteme, Religionen, Regierungen werden bereits brüchig, knicken weg und halten dabei arrogant den Kopf oben. Sie sind künstliche, sterbliche Konstrukte, in denen das Leben nicht stattfinden kann.
Es wird den Menschen wieder geben, und es wird ihm nichts Unfähiges mehr anhaften.
Gefangen in unserer Polarität glauben wir, wir müssten dauernd etwas tun, damit es uns gut geht. Wir denken, für unser Glück brauchen wir etwas ganz Bestimmtes, weil uns etwas „fehlt“. Wir glauben, wir müssten unzählige Ziele erreichen, bis wir glücklich sein können.
Viele Menschen sind bereits auf dem Weg aus dem täglichen „Muss ja“ heraus und haben außerhalb dessen sich selbst vorgefunden. Und ich beobachte seit Jahren, dass es rasch mehr werden. Es gibt immer weniger Menschen, die sich mit dem kläglichen Rest Leben, den der Alltag ihnen lässt, begnügen. Sie haben Sehnsüchte, sie fühlen sich leer. Sie können nicht mehr, sind krank, unglücklich, hetzen immer neuen Zielen entgegen, hinter denen sie ihre Erfüllung erhoffen.
Und nun haben wir die Wahl: wollen wir weiterhin künstliche Strukturen erkämpfen und sie mit Waffen verteidigen, wie wir es schon nicht mehr anders kennen? Oder wollen wir in unser Leben einsteigen, das nur auf uns wartet?

                                                    

Autorin: Yvonne Mohr, http://www.lichtderwelten.de/index.php/betrachtungen/raum-zeit-materie-lV

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