Das Leben kommt in eine Relation: Die Realität und das Lebende Wesen stoßen aufeinander. Relativ beinhaltet Real+Vital   -  -  lativ von lat. latus= getragen, gebracht

 

Emotionen sind etwas so Normales wie ein Arm oder eine Idee. Ein Lebewesen geht durch das Leben und spürt anhand seiner Emotionen, was es mag und was nicht. Wenn es etwas mag, fühlt es sich wohl, wenn es etwas nicht mag, gibt es etwas zu klären. Bis hierhin alles normal. Nun reden sich Menschen ein - von klein auf bekommen sie das beigebracht -, dass an Emotionen etwas verkehrt ist, dass man sich von ihnen abwenden muss. Und hier erst beginnen all die Probleme. Wenn wir uns NICHT abwenden, sondern die Emotionen so wie sie gekommen sind, auch ausrollen lassen, ist und bleibt alles in Ordnung und wir sind um eine tiefe Erfahrung reicher. Emotionen sind weder negativ noch fühlen sie sich schlecht an. Unsere ANGST vor ihnen lässt sie sich schlimm anfühlen. Aber dafür haben nun die Emotionen selbst nicht wirklich viel zu tun, es sind allein unsere Erziehung und unser Verstand, die den Karren in den Dreck fahren. Wenn wir uns wieder in den Moment versetzen BEVOR unsere blitzschnelle Wertung alles verdorben hat, gehen wir einfach mit der Welle der Emotion mit, begleiten sie auf ihrem Weg durch uns hindurch und gehen mehr als heil daraus hervor: wir sind reicher geworden, haben Glück erfahren. Sind wir selbst geblieben, wunderbare Meister statt verängstigte Opfer.

Wenn wir aber Emotionen ausbremsen, verstauen, mehr und mehr ansammeln und anstauen, werden wir immer härter und härter - zunächst nur in bestimmten Anteilen, in bestimmten Themen, Haltungen und Schnittstellen, aber dann mehr und mehr in unserer gesamten Lebenshaltung. Irgendwann sind wir nicht mehr in der Lage, uns überall zu bewegen, weil wir einfach zu sehr erstarrt sind. Weil uns innerlich einfach so Stau viel entgegenkommt, wann immer wir uns auf unser Inneres einlassen, dass wir gar nicht mehr anfangen wollen, es gar nicht erst ankratzen wollen.

Die Lösung liegt auf der Hand: anfangen. Einfach nur anfangen. Sich einfach hier und da ein paar Male am Tag wahrnehmen. Wieder ganz sanft die Tuchfühlung mit dem Inneren aufnehmen. Und nicht mehr bei der ersten Emotion zurückspringen, sondern stehen bleiben und sie kommen lassen, das ist Segnen, sie gutheißen und kommen lassen. Dann rollt die Welle aus und ihr ganzes geballtes Potential verteilt sich sanft und fast unmerklich in uns und es ist geschafft. Angestautes ist dann einfach wieder da wo es hingehört: im Gesamtfeld verteilt, wieder Teil des Ganzen, wieder glücklich, wieder in seinem Wohlbefinden, wieder zuhause.

Wenn wir sagen, dass wir uns nicht fühlen, dann ist das ein großer Irrtum. Zum Einen ist DAS bereits ein Gefühl - das der Leere? das der Verlassenheit? das der Ratlosigkeit? - und zum Anderen ist es nur die Schale, die das behauptet. Es ist wie wenn wir einen Karton haben, der voll ist mit Empfindungen und Leben, von dem wir aber nicht nur nicht den Inhalt sehen, weil wir nur die Pappe anschauen, sondern zudem auch noch glauben, die Pappe zu SEIN. Und nicht nur glauben, sondern VORGEBEN, die Pappe zu sein, ganz einfach weil wir in Wahrheit mit dem Inhalt nichts zu tun haben wollen. Unsere Ignoranz ist daher durch nichts auf der Welt mehr zu überbieten. Seien wir ehrlich. Direkt unter der Oberfläche verkümmert, leidet, schreit, fleht und weint es und wir geben vor, die Oberfläche zu sein, die von alledem nichts mitbekommt. Pappe besteht aus mehreren Schichten Papier. Was weiß die äußere Schicht schon von der inneren? Die innere dagegen hat das volle Ausmaß vor Augen, doch was weiß sie schon von den Schichten zwischen ihr und der äußeren... null Kommunikation mehr...

Es geht nicht darum, jetzt sämtliche Emotionen aufzuspüren, die da sind. Es geht darum, überhaupt wieder zu spüren! Der Rest kommt von selbst.