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Menschen vs. Angst

 

Die meisten von uns kennen das: bestimmte, an sich harmlose Ereignisse oder Handlungen wecken alte Ängste, und wir meiden deshalb diese Ereignisse und Handlungen, selbst wenn wir sie uns eigentlich herbeiwünschen. Um aus dem Zwiespalt heraus zu kommen, der dabei entsteht, verdrängen wir daher oft, dass diese Dinge uns wichtig sind. Wir wissen einfach nicht, was wir mit der Angst machen sollen.

Nahezu alle Ängste sind Programmierungen aus der Vergangenheit, die inzwischen überholt sind. Sie haben uns einst einen sehr sinnvollen Dienst erwiesen, aber inzwischen scheint ihre Daseinsberechtigung endgültig abgelaufen, was aber ihre Existenz und ihren Einfluss auf uns keineswegs mindert. Viele dieser Ängste sind relativ nebensächlicher Natur, weil sie unseren Alltag nicht maßgeblich einschränken und sich recht mühelos umschiffen lassen - was natürlich nichts daran ändert, dass es lohnend wäre, auch ihnen einmal heilend zu begegnen.
Wenn jemand aber z.B. Angst hat, eine Lebensgrundlage zu verlieren oder verletzt oder verlassen zu werden, dann kann die Schonhaltung, die aus dieser Angst entsteht, doch zu massiven Einschränkungen führen.
In der Verlustangst wird es besonders dramatisch, denn sie bringt uns dazu, uns ins Feuer der Vereinigung zu stürzen und ängstlich klammernd an ihr festzuhalten, um sie dann gerade wegen unserer Angsthaltung wieder zu verlieren. Ein hiervon betroffener Mensch entscheidet dann oft, künftig auf sicherem Abstand zu bleiben und sich nie mehr ganz einzulassen. 

Manch anderweitig Angst-Betroffener wiederum redet sich ein, das (begehrte, aber gefährliche) Objekt interessiere ihn oder sie ja eigentlich gar nicht, und äußert sogar Dinge wie „...ohne das ist es eh viel besser, weil... “. Das zieht sich u.U. durch den gesamten Alltag und kann die verschiedensten Objekte betreffen.

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Aber wie auch immer wir gestrickt sind: wenn wir feststellen, dass es so nicht weitergeht, brauchen wir eine Lösung.
Viele Menschen raten uns, einfach so lange mitten hinein zu gehen in das, was wir fürchten, bis es uns keine Angst mehr macht. Das ist eine lieblose und respektlose Desensibilisierungs-Kur, die völlig ignoriert, dass der Mensch innerlich Achtung und Aufmerksamkeit verdient und äußerst triftige Ursachen mit sich mitschleppt, die zu seiner Angst führten. Davon halte ich also wenig. Ebenso wenig wie von dem Rat, von nun an immer positiv zu denken - zu Beidem im Folgenden mehr:

Zum Ersteren: Selbst wenn wir uns den äußerlichen Angst-Auslösern stellen, bis unser Gehirn notgedrungen umdenkt, heißt das noch nicht, dass wir die biologischen und energetischen Stress-Programme und deren Auslöser damit ebenfalls erledigt haben. Nur weil wir sie im Moment nicht mehr bemerken, heißt das noch lange nicht, dass all die im Unterbewusstsein gespeicherten Ängste zu Staub zerfallen. Manch einer kann davon berichten, wie es ist, wenn der Deckel sich plötzlich hebt, nachdem es ihm über Jahre hinweg gelang, alles unter Kontrolle zu halten... Auch die innerkörperlichen Stress-Ausschüttungen - und damit die organischen Belastungen - laufen weiter, und so betrachtet ist die Entstehung einer Krankheit durchaus keine rätselhafte Sache mehr, da wir meist voll sind von Ungereimtheiten und Belastungen. Der Körper ist ein exaktes Spiegelbild unseres emotionalen Gebäudes. Genau so entstehen Krankheiten: jedes noch so kleine Symptom - ob spürbar oder nicht - des Körpers ist die biologische Antwort auf unsere seelischen Eigenschaften. Wenn wir nun eine Eigenschaft oder Einstellung in uns 'abhärten' wollen, dann wird uns zwar vielleicht die Angst nicht mehr so oft heimsuchen, aber das von der Problematik - und damit von einer Blockade - betroffene Organ oder Gelenk bleibt energetisch unterversorgt und ist wird weniger und weniger widerstandsfähig. Nur in solchen Körperbereichen kann überhaupt eine Krankheit entstehen! 

Wenn wir außerdem gezielt die Dinge tun, die wir fürchten, dann härten wir zwar, äußerlich betrachtet. ab, wir werden jedoch auch unsensibler. Währenddessen aber ist die Angst unverändert vorhanden und nagt fortan versteckt nach innen an uns. Wie auch immer dies gesundheitlich ausgeht: wir verlieren seelisch an Feingefühl und Mitgefühl und an Integrität - auch und vor allem uns selbst gegenüber - und an Lebendigkeit. Und selbst wenn dies nur in einem geringen Umfang stattfindet, ist es dennoch ein klares Zeichen dafür, dass an der "Abhärtung" schlichtweg etwas falsch ist. Außerdem zeugt es absolut nicht von Selbst-Liebe, seine Ängste zu verbellen, statt sich zu fragen, ob wir für sie nicht sehr gute Gründe haben, die wir liebevoll in die richtigen Gleise führen könnten. Und zwar auch deshalb, weil wir die darin gebundene Energie endlich wieder für uns und ein positives Leben freisetzen und nutzen können, also die darin liegende Einschüchterungs-Kraft wieder in zur Verfügung stehende Lebens-Kraft transformieren können.

Was das positive Denken betrifft: wenn wir negativ denken, dann hat das seine Ursache, und diese Ursache verschwindet nicht, nur weil wir von jetzt ab versuchen, uns negatives Denken zu verbieten. Im Gegenteil: meist wird das bereits nach kürzester Zeit zum Verrückwerden schwierig und endet prompt im Gegenteil. Deshalb muss nicht nur auf unsere negativen Gedanken, sondern auf die Ursache des negativen Denkens oder oft auch nur unser Verhältnis zu dieser Ursache liebevoll schauend eingegangen werden.

In beiden Fällen - der Abhärtung und dem positiven Denken - missachten wir uns selbst vollkommen. Wir behandeln uns als wären wir Versager, Verlierer oder Geisteskranke, deren Emotionen unbegründet, schwachsinnig und ablehnenswert sind, und die sich selbst den Kampf ansagen und gegen sich in den Krieg ziehen. Allein, dass wir unsere Emotionen überhaupt als quälend empfinden, zeigt schon unsere verquere Herangehensweise. Mag sein, das dies alles auf dieser Welt völlig normal, aber: da geht viel, viel mehr!

Schon der Ansatzpunkt, überhaupt etwas an der Angst ändern oder sie einsperren oder sonstwie zurückbrüllen zu wollen, ist völlig verdreht. Angst ist lediglich ein Gefühl, eine besondere Empfindung. Nur eben eine Empfindung, die wir fürchten gelernt haben, weil uns beigebracht wurde, dass sie unser Feind ist, und nicht wie wir nutzbringend mit ihr umgehen und als Gewinner daraus hervorgehen können - nicht als Gewinner gegen die Angst, sondern für unser Leben.
Wenn wir vor der Angst fliehen, dann fliehen wir vor uns selbst. Wenn wir sie bekämpfen, bekämpfen wir uns. Wenn wir sie aber einladen und transformieren, laden wir uns ein und sind außerdem energetisch reicher und größer als je vorher.
Wenn wir vor der Angst fliehen, wächst sie jedes einzelne Mal ein Stückchen, und wir werden immer kleiner, weil wir uns selbst durch unsere Flucht signalisieren, dass wir unterliegen und keine Wahl haben. Sie hat uns nächstes Mal noch stärker im Griff. Wir sind die immer ängstlicher werdenden Flüchtlinge und sie der scheinbar wachsende Verfolger.
Und wenn wir sie bekämpfen, sind wir im Krieg. Von jetzt an sind wir Feinde, egal, ob der Feind eigentlich ein Teil von uns ist und wir uns in jeder Hinsicht in ihm täuschen, in komplett missverstehen.

Wenn wir die Angst wegdrücken, indem wir sie vermeiden, verschütten, sie überspielen und verdrängen, müssen wir in jeder Sekunde ein Auge darauf haben, dass dieser Druck nicht sinkt. Das läuft unbewusst ab, kostet aber deswegen nicht weniger Energie. Klar, es ist nur ein bisschen Energie, das ist wohl wahr, aber wer sagt denn, dass wir nicht schon längst Hunderte von Ängsten auf diese Weise niederdrücken?
Ganz schlimm wird es, wenn wir die Angst mit Medikamenten oder Betäubungsmitteln fortzudrängen versuchen. Im letzteren Fall können wir bereits am nächsten Tag ein Lied von der Katerstimmung singen, und das meine ich nicht körperlich. In beiden Fällen jedoch lässt unsere Fähigkeit, uns den Dingen zu stellen, rapide nach, und unsere Sehnsucht, von nun an immer so weichgespült durch den Alltag zu gehen, macht uns allmählich süchtig und wehrlos.
 

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All das kann nicht die Lösung sein. Denn ich weiß inzwischen
sicher, dass es für alles eine optimale Lösung gibt, die frei von
Nebenwirkungen ist, und dass es sich immer lohnt, nach ihr zu
sehen. Aufgrund meines turbulenten Lebens - das gespickt war
mit Ängsten - habe ich früher etliche Selbstfindungs-Techniken
und Therapie-Methoden kennengelernt und an einem besonders
schlimmen Abend sogar ein Psychopharmakum eingepfiffen und
mir eines - inzwischen fernen - Tages sogar gesagt, ich könne ja jederzeit abtreten (was es fortan leichter machte, durchzuhalten). Irgendwann stellte ich fest, dass kein Gespräch, keine Analyse, kein Medikament, keine psychologische Strategie jemals einen Menschen von einer Angst wirklich befreit hat. Wenn es so schien, so stellte sich irgendwann heraus, dass die Angst lediglich gut weggepackt war und künftig streng kontrolliert worden war (während meiner Ausbildung zur Heilpraktikerin arbeitete ich als Schreibkraft in Arztpraxen, u.a. bei zwei renommierten Neurologen und Psychotherapeuten. In dieser Zeit schrieb ich hunderte von Arztbriefen, Therapieverordnungen, Gutachten und Anträgen zur Frühberentung und habe die meiste Zeit fassungslos mit dem Kopf geschüttelt, wie irregeleitet die Therapieformen der Menschen sind. Klar und deutlich sichtbar können sie einen vormals körperlich gesunden „Patienten“ über kurz oder lang in den gesundheitlichen Ruin steuern, weil die seelischen Probleme weg-gedrückt worden waren). 
 

Eines noch: wir wettern gern gegen das Ego, gegen Ängste, gegen alte Überzeugungen, gegen die wir nicht ankommen, unsere verschiedenen inneren Strukturen, die uns in unserer Freiheit einschränken... Sie sind alle enorm wichtig gewesen! Keine von ihnen ist aus Jux und Dollerei entstanden! Bedenkt das, und sei es als kleine Vorübung für ein kleines bisschen Selbst-Verständnis.


Herzlich, Yvonne Mohr 


 

 

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